25.05.2012

Wir unterliegen stetem Wandel. Wir werden immer älter und wir wachsen und wir schrumpfen wieder, wir werden dicker und dünner, wir kommen faltig auf die Welt und werden glatt und bekommen dann Pickel und Körperbehaarung und irgendwann Furunkel und werfen bald wieder Falten und uns wachsen Zähne und wir verlieren sie irgendwann. Wir lernen und vergessen, wir verstehen und wir verlernen. Uns wachsen Haare und sie fallen aus, wir schärfen unsere Blicke und verlieren das Sehen, wir trainieren Muskeln und lassen sie verkommen. Wir bilden Meinungen und überdenken und ändern sie und wir lernen Menschen und Kulturen kennen und Einflüsse und Sichtweisen und sind wandelbar. Wir verändern uns unser Leben lang. Aber von unseren Gefühlen erwarten wir, dass sie bleiben, wie sie sind.

15.05.2012

Macht Halt.

Weil Schuhe zerfallen und weil Schritte verhallen wird die Veränderung nie Halt machen in uns und um uns. Es ist immer ein Kommen und Gehen und selbst ein Bleiben ist von Bewegung durchsetzt: Weil wir nie aufhören, uns zu verändern und weil wir also nie aufhören, weiterzugehen und weil wir nie stehenbleiben können und werden. Wir haben nur eine Konstante und die geht nicht über unser schlichtes Dasein hinaus. Wir können uns nicht verlassen auf unseren Charakter und auf unsere Stärken, auf unser Aussehen, auf unser Wissen und nicht auf die Eigenschaften anderer. Wir können uns nur einstellen aufeinander und wir können nur zugehen aufeinander und uns arrangieren miteinander, aber verlässlich ist nichts, das geprägt ist von Veränderung. Verlässlich ist kein Wesen, das durchwachsen ist von Wünschen und Emotionen und von Einflüssen, die unentwegt auf es einwirken. Auf der Suche nach Sicherheit laufen wir den verhallenden Schritten hinterher, bis die eigenen Schuhe zerfallen und bis wir stürzen und hinfallen und dann liegen und nur hören können, wie alles vorbeizieht, ob es Schritte sind oder nur Luft oder Atem. Weil sich alles bewegt gibt es nichts, das wir festhalten können und weil sich alles bewegt suchen wir genau danach: Halt.
Aber: Wir können uns auf nichts verlassen. Nicht auf Schuhe, nicht auf Ressourcen, nicht auf Bankkonten und nicht auf Menschen und nicht auf uns selbst. Wir können uns aber die Fähigkeit wahren, uns dem zu stellen und dem offen zu begegnen: Den eigenen Veränderungen, den eigenen Impulsen und denen der anderen. Wir können wahrnehmen, auch ohne festzuhalten. Schritte werden deshalb immer verhallen, weil es nur zwei Möglichkeiten gibt, dass sie es nicht tun: Entweder sie hören auf oder wir bewegen uns im Gleichschritt mit. Aber zwei Individuen können niemals auf Dauer Gleichschritt halten. Weil ganz einfach niemand gleich ist und also jeder anders. Doch ist Gleichheit nicht die Basis für ein Miteinander und wenn die Schritte weg sind, müssen wir andere Wege finden, uns nicht zu verlieren.

08.05.2012