06.08.2012

06 August 2012

alte briefe. überall liegen sie rum in meinem kopf, der mit parkett ausgelegt ist, nicht ganz sauber verlegt an den rändern und ecken, weil handwerk noch nie meine stärke war. auf dem parkett steht ein bett, das an den rändern auch schon abschürfungen hat vom drüberheben von kram, den ich von einem ins andere eck geschleppt habe in all den jahren. umräumen und aufräumen. und auf dem boden die briefe mit schwarzer tinte, verwischt an manchen stellen und an anderen schon fast vergilbt mit dem papier zusammen, zu lange in der sonne gelegen, die irgendwo reinkam, durch die ohren oder die nasenlöcher oder den mund, den ich zu lange offen hatte, um irgendwas zu sagen, was ich im nachhinein gar nicht sagen wollte. alles steht offen und neben der sonne weht wind durch von einer zur anderen öffnung und bringt kurz erfrischung und schon bald aber chaos, wenn man zu lange nicht hinsieht und vergisst, alles zu fixieren. türen schlagen zu und papiere wehen umher und staub wirbelt auf und man muss aufräumen danach. nur, weil man mal den mund nicht zulassen konnte.
ich sortiere also alte briefe nach einem windstoß und beobachte, wie sich die handschrift ändert, die keine mehr ist, weil ich mit briefen natürlich digitale briefe meine und also nicht die von früher, die man als kind an andere kinder zu kinderthemen schrieb und die anfingen mit hallo und wie geht es dir und mir geht es gut. briefe, die anders vergilben und anders verstauben und anders rumfliegen in einem anderen zimmer und mit anderem anfang oder gar keinem anfang und gar keinem ende. briefe ohne umlaut und ohne groß und kleinschreibung und briefe mit umlaut und dafür ohne satzzeichen und briefe ohne sinn und aber mit empfänger und andere ohne empfänger und dafür vielleicht mit einem sinn, der dann doch zumindest darin bestehen musste, sie geschrieben zu haben. fragen ohne fragezeichen sind immer noch fragen und gedanken ohne punkt am ende sind trotzdem gedanken, die beschäftig(t)en und sich änderten oder vielleicht nur variierten oder einem im erwachsenwerden zwangsläufig eintreten müssenden ordnungssinn zum opfer fallen und deshalb schlichtweg anders aussehen: statt dem jugendzimmer eine wohnung. statt unsortiert sortiert und statt kisten voller kram jetzt ordner voller unterlagen, die auch nur kram bezeichnen, um den man sich aber plötzlich kümmern muss wo man ihn früher hat verkommen lassen. du kannst die briefe doch nicht wegwerfen, sagte man mir, und die bilder musst du aufheben, sagte man mir, und jedes mal, wenn ich sie lese oder ansehe habe ich nur den gedanken im kopf, wie nichtssagend sie sind, die briefe in kinderschrift mit dem hallo am anfang und dem wie geht es dir und dem mir geht es gut, und die bilder mit dem kleinen kind mit den pauschbacken darauf, das ich gewesen sein soll und das mich erinnern soll an eine kindheit, die nur daraus bestand, noch keine gedanken zu haben und stattdessen zu lernen, wie man isst und trinkt und scheißt und denkt. erinnerungen an etwas, das alle tun und das also noch nichts zu tun hat mit mir als individuum. das nur zu tun hat mit mir als menschliches kind und mit mir als sohn von menschen, die mich lehrten und mich einpassten in wiederum gelernte strukturen und formen: man isst mit messer und gabel und man trinkt aus einem glas und man scheißt in die toilette und klappt die zu danach und reinigt sie und man denkt. ja, wie eigentlich. man denkt automatisch. es geht einfach los und dann löst es sich vielleicht einfach los.

ich werfe die briefe weg und die bilder. weil sie nichts zu tun haben mit dem, der ich bin. sind wir eine weiterenwicklung des in die windeln scheißenden dings oder sind wir eine neuschöpfung aus gedanken und gefühlen und erfahrungen, die man erfährt und verarbeitet und gebraucht. noch immer esse und trinke und scheiße ich und ich pinkle sogar und ich putze danach und noch immer gehe ich in wohnungen anderer menschen auf die toilette, wenn ich zu besuch bin, und klappe sie zu nach meinem geschäft, obwohl ich vor dem geschäft wahrnahm, dass der deckel schon oben stand, bevor ich reinkam. ist das also, was übrig blieb von dem paschbäckigen ding auf dem schoß meiner mutter: intuition. lässt sich intuitives handeln beeinflussen, sobald unsere briefe nicht mehr anfangen mit einem hallo und einem wie geht es dir und einem mir geht es gut. ist intuition festgefahren und damit immer unmöglich, selbst gestaltet und implitiert zu werden. sie wäre somit unabhängig von uns und abhängig einzig von unserer umgebung und unserem umfeld und unseren erziehern. das liefert uns aus. an das, was zu sehen ist auf den vergilbten bildern der vergangenheit und ermöglicht uns keinen einfluss. wir können die bilder nur betrachten oder neu sortieren oder an die wand hängen oder penibel aufbewahren oder wegwerfen. wir können sie verbrennen, aber an das, was sie sind in uns, kommen wir nicht ran.
wir können es sehen und erkennen und vielleicht können wir es beeinflussen, aber ich werde immer bewusst den klodeckel oben lassen in der wohnung von freunden und ihn unbewusst immer herunterklappen wollen. ich werde also immer nach meiner oder gegen meine intuition handeln, aber nie frei davon sein. und was uns menschen so wehrlos macht ist: dass wir intuitiv niemals unabhängig sein werden.

14.07.2012

space.

http://dasgluecklicheohr.de/




22.06.2012

06.06.2012

Mirroring.


I never smile when I ought to and I never try when I want to and sometimes breaking down my emotions to a simple sense ends in unfinished sentences and blank looks or rather just stares and nothing more. I'm sorry for just walking by again and for never being able to figure out what you might be sorry for, hoping instantly for another chance that I again most certainly will miss on purpose. There are days I'm happy for rain covering up my glasses and me not being able to see your lips or eyes anymore. And in the morning when waking up from dreams I’m incapable to remember in detail I'm taking sips from my mug of coffee and I'm burning my tongue and I'm starting to think about what the rest of the day and the week and the month and the year could bring and what it might be like to see things not from two eyes but from yours and mine together at once.

Things like these: Sitting on our hands waiting for things to change. Complaining about life and the world and politics and exes and spilling beer from the pint in our hands. Shivering and not being able to distinguish between being cold and being nervous all the time. Being surrounded by rain because it's always raining and nothing ever seems to change: We always carry our traveler’s cards with us and our credit cards and we go grocery shopping and we go to the dry cleaner and we go to the pharmacist and we meet and we talk and we dance and we laugh at the pub and we cry when we're home in our beds because we don't sleep at night or because we dream of not being able to sleep at night and don't notice the difference anymore. We appreciate a good chat and we take buses as far as we have to. We try again but we still don't smile on the tube and we're afraid to ask for anything and so we get off and walk the streets with our hands in our pockets and stop by a café and buy coffee in cups and walk further with one hand in our pocket and try to make our way through the crowd to get a muffin from the pantry or something else from someplace else. We don't watch our money and we just want to live. We sometimes forget to eat and to drink and we wear the same clothes for longer than two days in a row and sometimes we forget where we were and we forget where we are and sometimes we just can’t remember what happened to us and to those around us within a very short period of time. But we still know and never forget how to behave in public places and we try to be considerate and aware of one another and we try not to be apathetic whenever it would be inappropriate. We never leave the house without a bag carrying headphones and a walkman and at least one tape and at least one book. And this means the world to the both of us.
But: having a look at all these things it doesn't matter anymore whether it's two eyes or four or six or eight. Whether it's family or friendship or love of any kind or whether it's hate. We are all just ourselves and we will always just be who we are and it will never depend on what or whom we're surrounded by but only on what we're carrying inside our hearts: It’s wishes and dreams and it’s all kinds of experiences and it won't matter if we remember all of those or if we forget: It still will always be the things forming our mind.

The more I’m exploring these wishes and dreams and experiences I’m starting to realize that I was only describing things that already happened and that I was only adding you to my story and that I was only filling your eyes with whatever mine have already seen. That you were not there with me. So I’m trying to accept that your eyes will always see everything different from mine and that your mind will always be made up from other influences and other ideas and other desires just like I will always be longing for my own individual scenery of things.
I’m starting to realize that sometimes I actually smile and that sometimes I actually try and that sometimes breaking down my emotions to a simple sense actually ends in a finished sentence and a finished sense rather than staring and nothing more: I miss you. And I will never stop missing you as long as I’m still looking for you, as long as you are everything and nothing at the same time, as long as you are not an individual and a personality and as long as I won’t let you be human; as long as you are more of a longing than anything else. You’re surreal and you’re a reflection of my desires that I’m projecting in everything and everyone I feel like wanting to see you in. I’m carrying you around with me like that tape and that book in my bag, like something I can always depend on – something I’ve chosen to preserve where it is. Something reliable and something controllable and therefore: something that will always depend on what I’m willing to let it be.

The eyes I wanted to share seeing through turn into a mirror of my desires; into nothing but what my own eyes wish to be confronted with. But being such they will never be able to fulfill the purpose I’m hoping for. They will never be able to satisfy any longing being made up by myself. Anything formed by my own mind will never have the possibility to act by itself or to create anything or to be independent and to turn into the one thing I actually would like to encounter: Something unexpected. It is for me to overcome the image I’ve created and to let your eyes be what they are: Not a mirror of my desires but one of your personality and of your individuality, eyes not to put expectations into but eyes to follow your own purpose rather than mine. It is for me to realize who you are and not who you could be for me and it is for me not to walk by again and to figure out instead not what your eyes might be reflecting but what’s their own story they might have to tell.

25.05.2012

Wir unterliegen stetem Wandel. Wir werden immer älter und wir wachsen und wir schrumpfen wieder, wir werden dicker und dünner, wir kommen faltig auf die Welt und werden glatt und bekommen dann Pickel und Körperbehaarung und irgendwann Furunkel und werfen bald wieder Falten und uns wachsen Zähne und wir verlieren sie irgendwann. Wir lernen und vergessen, wir verstehen und wir verlernen. Uns wachsen Haare und sie fallen aus, wir schärfen unsere Blicke und verlieren das Sehen, wir trainieren Muskeln und lassen sie verkommen. Wir bilden Meinungen und überdenken und ändern sie und wir lernen Menschen und Kulturen kennen und Einflüsse und Sichtweisen und sind wandelbar. Wir verändern uns unser Leben lang. Aber von unseren Gefühlen erwarten wir, dass sie bleiben, wie sie sind.

15.05.2012

Macht Halt.

Weil Schuhe zerfallen und weil Schritte verhallen wird die Veränderung nie Halt machen in uns und um uns. Es ist immer ein Kommen und Gehen und selbst ein Bleiben ist von Bewegung durchsetzt: Weil wir nie aufhören, uns zu verändern und weil wir also nie aufhören, weiterzugehen und weil wir nie stehenbleiben können und werden. Wir haben nur eine Konstante und die geht nicht über unser schlichtes Dasein hinaus. Wir können uns nicht verlassen auf unseren Charakter und auf unsere Stärken, auf unser Aussehen, auf unser Wissen und nicht auf die Eigenschaften anderer. Wir können uns nur einstellen aufeinander und wir können nur zugehen aufeinander und uns arrangieren miteinander, aber verlässlich ist nichts, das geprägt ist von Veränderung. Verlässlich ist kein Wesen, das durchwachsen ist von Wünschen und Emotionen und von Einflüssen, die unentwegt auf es einwirken. Auf der Suche nach Sicherheit laufen wir den verhallenden Schritten hinterher, bis die eigenen Schuhe zerfallen und bis wir stürzen und hinfallen und dann liegen und nur hören können, wie alles vorbeizieht, ob es Schritte sind oder nur Luft oder Atem. Weil sich alles bewegt gibt es nichts, das wir festhalten können und weil sich alles bewegt suchen wir genau danach: Halt.
Aber: Wir können uns auf nichts verlassen. Nicht auf Schuhe, nicht auf Ressourcen, nicht auf Bankkonten und nicht auf Menschen und nicht auf uns selbst. Wir können uns aber die Fähigkeit wahren, uns dem zu stellen und dem offen zu begegnen: Den eigenen Veränderungen, den eigenen Impulsen und denen der anderen. Wir können wahrnehmen, auch ohne festzuhalten. Schritte werden deshalb immer verhallen, weil es nur zwei Möglichkeiten gibt, dass sie es nicht tun: Entweder sie hören auf oder wir bewegen uns im Gleichschritt mit. Aber zwei Individuen können niemals auf Dauer Gleichschritt halten. Weil ganz einfach niemand gleich ist und also jeder anders. Doch ist Gleichheit nicht die Basis für ein Miteinander und wenn die Schritte weg sind, müssen wir andere Wege finden, uns nicht zu verlieren.

08.05.2012

06.03.2012

Routiere.

Wir sind Routine. Wir sind ein Ablauf und ein Prozess mit Anfang und Ende und mit Episoden und Epochen. Wir stehen auf um irgendwann schlafen zu gehen und wir arbeiten um irgendwann in den Urlaub zu gehen. Wir verdienen Geld um es auszugeben, wir essen um zu verdauen, wir trinken um zu pinkeln und manchmal: um lustig zu sein und dann verkatert. Wir trinken Kaffee um wach zu werden und Beruhigungstee um einzuschlafen. Wir putzen die Zähne um sie zu benutzen und um sie wieder schmutzig zu machen und sie wieder zu putzen und zum Zahnarzt zu gehen und zu erfahren, dass wir sie nie genug putzen können. Wir zahlen Verdientes ein in die Bank zur Verwendung und Anlage und Vorsorge. Was übrig bleibt, geben wir aus um uns Gutes zu tun: Wir kaufen Autos um den Tank leer zu fahren und voll zu tanken und um Diskussionsstoff zu haben in Form von Benzinpreisen und vollgestopften Straßen und Stau auf den Autobahnen und Blitzeis und Winterreifen und TÜV und integrierten Navigationssystemen mit DVD Spieler und USB Anschluss. Wir putzen das Auto und wir parken das Auto und wir regen uns fürchterlich auf über jeden Schmutzfleck auf dem Lack und über jeden Kratzer darauf. Wir kaufen und kaufen und wollen keine Gebrauchsspuren.
Wir stehen jeden Tag auf und waschen uns und vergehen gemeinsam mit den Tagen in die Jahre hinein. Wir haben Haare, die wachsen und die wir schneiden, und wir haben Haut, die verrutscht und Falten wirft oder braun wird im Sommer und blass im Winter oder rot wird und reagiert auf Allergien oder Rauch oder schlechtes Essen oder schlechte Gedanken. Wir stehen jeden Tag auf und sehen die Haut an im Spiegel und jeden Tag denken wir und denken wir zu viel, holen wir uns Beratung oder Medikamente oder trinken wieder um lustig zu sein und dann verkatert aber vielleicht für einen Moment zwischendrin: unbekümmert. Wir kaufen Kleidung und bewahren sie auf in Schränken und variieren sie jeden Tag, wir waschen regelmäßig, wenn der Wäschekorb voll ist, wir gehen einkaufen, wenn der Kühlschrank leer ist, wir putzen die Wohnung, wenn sie uns zu staubig ist, wir räumen auf, bringen Pfandflaschen weg, beziehen das Bett neu, spülen Geschirr, bringen den Müll raus, schlafen ein, wachen auf und gehen wieder einkaufen und gehen wieder arbeiten und gehen uns zwischendrin ein wenig amüsieren.
Amüsieren aber gehen wir uns nicht jeden Tag. Wir tanken Kraft dafür und brauchen Pausen und treffen nicht jeden Abend Freunde und gehen nicht jeden Abend aus zum Essen oder zum Trinken, gehen aber jeden Werktag arbeiten. Die Pflicht steht über dem Vergnügen. Wir verbingen fünf Tage mit basteln und kleben und rechnen und schreiben, mit Diskussionen und Besprechungen und Strukturierung und Terminplanung, mit Verhandlungen und Verwandlungen. Wir sind Arbeitstiere und müssen es sein: Acht Stunden Arbeit und acht Stunden Schlaf, um aufmerksam und munter und konzentriert zu sein bei den acht Stunden Arbeit. Bleiben acht Stunden zum Einkaufen, Essen, Trinken, Waschen, Putzen, Spülen, Rausgehen, Füße hochlegen, Menschen treffen, Autofahren, Fernsehen, zur Arbeit fahren oder gehen und nach Hause fahren oder gehen: Routine, die uns auch ins Wochenende begleitet: Achtundvierzig Stunden für uns. Zwei Tage um auszuschlafen statt aufzustehen, um Spazieren zu gehen oder zu fahren statt in die Arbeit zu gehen oder zu fahren, um Spaß zu haben statt Pflicht nachzugehen. Zwei Tage um Routine zu bekämpfen und zu versuchen, jene zwei Tage nicht Teil dieser Routine werden zu lassen. Und damit doch Teil einer weiteren zu sein.
Das Leben ist ein Zyklus: Jeder Tag ist eine kleine Woche und jede Woche ein kleiner Monat und jeder Monat nur ein kleines Jahr. Frühling und Herbst und Sommer und Winter und Schlussverkauf und zwischendrin, irgendwo in den sich immer wiederholenden drei mal acht Stunden, suchen wir nach einer Bedeutung und nach einem Sinn abseits der Routine, in die wir uns einnisten. Mehr Sinn als nur Säugetier sein: Mehr Sinn als nur geboren werden und überleben und sterben.