01.11.2011

Westennest.

Ich kaufe mir eine neue Weste und trage sie wider besseren Wissens ohne sie zu waschen vorher. Wenn ich lange genug warte und nichts unternehme, verwächst sie vielleicht mit mir und mit meiner Jeans und mit meiner ganzen Haut. Ich nehme am Abend meinen Staubfänger ab und schüttle ihn aus in einen Beutel und lege ihn neben mich und sehe nichts mehr. Im verschwommenen Raum schlafe ich nicht mehr im Bett, sondern in dem schwarzen Loch auf dem weißen Poster daneben. Ich krieche hinein und zurre meinen Schlafsack zu um mich herum und lausche den Geräuschen, die eine Wand von sich gibt, und bin eingehüllt in an mich wachsende Klamotten und einen Schlafsack und ziehe mir neue Schichten über gegen das Wetter und die Eindrücke jeden Tages. Der Beutel hängt an meiner Tür und ist der einzige Anhaltspunkt an das, was außen passiert. Schicht für Schicht wende ich mich ab und lasse nur noch das Gesicht frei und zugänglich und halte den Staubfänger fest im Wind und im Wetter und sammle alles ein: Regen, Lärm, Gespräche, Optionen, Lachen und Weinen und Liebe und Freude und Hass und Zorn. Der Staubfänger sammelt Emotionen für mich und Geschehnisse und der Beutel an der Tür beult sich aus am Abend, bis irgendwann genau wie meine Weste der Beutel sich anpasst an das, was sich darin befindet und verschmilzt und eins wird mit dem Inhalt und ich den Reißverschluss nicht mehr ausziehen kann, weil er mich auszieht, und die Weste verwachsen ist mit meiner Haut in dem schwarzen Loch auf dem weißen Poster. Ich habe einen Reißverschluss auf der Brust und einen Beutel an der Tür, der sich windet gegen das Festhalten und dessen Inhalt sich streubt gegen das Festgehaltenwerden. Manchmal klatscht er kurz gegen die Tür und es klingt, als klopfe es von außen mitten in der Nacht. Aber in der Wand in einem Schlafsack in eine Weste gewachsen kann jedes Geräusch klingen wie ein anderes.

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