31.10.2011

Gelduntergang.

Wir rennen schnurstracks in alle Richtungen. Und verlieren dabei Ziele und Pläne und Vorhaben, Menschen und Geschichten und Erinnerungen: Alles fällt uns aus der Tasche während wir hektisch umher rennen, weil unsere Schnur Haken schlägt und überall hinführt. Wir haben keine Zeit und kein Gefühl mehr in den Zehen. Keine Zeit für Rast und Gedanken und keine Zeit für Liebe und Essen und Trinken und wir vergessen uns selbst auf der Suche nach etwas. Zeit nur noch für Sehnsucht und für die Jagd. Wir sind nur noch Verlangen und Körperteile, die uns umgeben und zappeln bei jedem Schritt und wir sind nur noch bei uns, wenn wir Zeit haben, in den Spiegel zu sehen, um uns die Zähne zu putzen. Die Haut ein uns einkleidendes Etwas und die Hand ein in der Bewegung verwaschenes Ding und das Gesicht ein anderes im Spiegel mit Augen und Nase und Mund und Sachen, die wir nicht sehen, wenn wir rennen und versuchen, unsere sieben Sachen zusammen zu halten, und vor lauter Schal und Handschuhen und Kopfhörern und Büchern und Stiften und Zauberwürfeln weder Wald noch Baum noch Straßenschilder sehen und den Überblick verlieren über Habseligkeiten und Angehörige. Wir orientieren uns an Flüchtigkeiten und Fluchtgedanken: Wichtig ist, die Schnur festzuhalten, nicht der bisherige Weg. Wichtig sind die Möglichkeiten.
Weil es möglich ist, haben wir fast alles: Häuser und Wohnungen und Familien und Arbeit und Studienplätze und Freunde und Geliebte und Bekannte und Freizeitgestaltung. Und weil es möglich ist, haben wir manchmal Hunger und Durst und fordern beides heraus, weil wir die Zeit anders nutzen und anders verbringen. Weil wir die Möglichkeit haben, noch nicht zu essen und noch nicht zu trinken und noch nicht anzurufen oder zu Besuch zu kommen. Luxus des Aufschubs. Weil wir können, arbeiten wir wochentags und an Sonntagen nicht und stopfen von den Verdiensten unsere Kühlschränke voll und unsere Kleiderschränke und essen vielleicht nur die Hälfte und tragen vielleicht nur ein Viertel. Weil wir die Möglichkeit haben, nutzen wir sie. Die Möglichkeit, ja zu sagen und nein oder wegzulaufen und hinzugehen und in Verhältnissen zu leben und darüber hinaus.
Bedrängt und überfordert von Optionen drehen wir uns im Kreis und ziehen die Schnur um unsere Beine und Hüften und wissen: Der Weg zurück erzeugt Schwindel. Aber wie lange wir noch weitergehen können, bevor die Fluchtschnur zur Schlinge wird, für diesen Gedanken haben wir keine Zeit. Wir laufen, bis wir fallen und wenn wir fallen, stehen wir auf und können wir nicht mehr aufstehen irgendwann, feiern wir den Untergang und haben eine gute Geschichte zu erzählen, sollten wir gerettet werden.

08.10.2011

Lights.


Handmade cardboard box including three compact discs:

  I: D65
 II: F11
III: F2

Compiled by The Cowboy Killer in the very beginning of autumn 2011.
Cover photography by Cait Fahey, used with all due respect.