27.07.2011

export goods.


No weapon will ever feed anyone.

20.07.2011

Natürlich glücklich.

Ein kleines asiatisches Kind sitz in seinem Kinderwagen und isst Schinken und verliert ein Stück. Es regnet um uns herum und alle tümmeln sich im kleinen Wartehäuschen mit dem blauen Schild mit dem Hinweis, in diesem Bereich bitte nicht zu rauchen. Selbst Trambahnfahrer rauchen in diesem Bereich, wenn sie auf Schichtwechsel warten oder vom Schichtwechsel kommen. Eine junge Frau liest Zeitung, ein Bäcker gegenüber wird beliefert und die asiatische Mutter wischt dem asiatischen Kind mit einem Taschentuch über den Mund und die Wange. Als sie fertig ist, greift das Kind nach dem Taschentuch und wischt sich selbst erneut ab, fester. Dann sieht es durch die Scheibe in den Regen und wirft das Taschentuch von sich zu Boden.
Wir tragen feste Schuhe und starren wartend abwechselnd die Schienen entlang und auf das Kopfsteinpflaster und die kleinen Pfützen mit den Tropfen, die darin Kreise ziehen. Der Rest des Sturmes der letzten Nacht, der Wasser gegen und Blitze durch Fenster peitschte und Donner über Häuserdächer trug. Im Dunkeln erhellten sich die Wände und das Zimmer war wie in schwarzweiß und Keller laufen voll mit Wasser und draußen werden Regenschirme über Gehwege geschleppt und nehmen ganze Plätze ein. Wir krallen uns fest an den Schirmen und richten sie aus gegen den Wind und kämpfen mit dem Wetter und haben Angst vor Wasser und Nässe und Krankheit. Wir fürchten die Natur und wollen sie deshalb beherrschen. Wir verstecken uns vor Regen und schalten bei Gewitter den Strom ab und sind traurig, weil der Fernseher und also eines unserer Grundrechte ausgeht und haben entweder kein funktionales Feuerzeug mehr im Zimmer, weil wir gesund nicht rauchen, und keine frischen Kerzen oder haben ausnahmsweise alles im Haus, weil wir vorbereitet wurden von Agrarwetter Punkt DE. Weil wir alle Bewegungen und alle Bedingungen studieren und zu deuten lernen. Weil wir das Wetter zerlegen und zusammensetzen und aber noch keine Regulierungen gefunden haben, um den Sommer zum Sommer zu machen und den Winter möglichst kurz, weil wir es ja alle viel lieber warm mögen und deshalb in den Urlaub fliehen in den Süden in die Sonne an den Strand.
Irgendwann wollen wir Herrscher sein über das Wetter und über die Natur und sie uns zu Nutzen machen und sie uns also zu basteln, wie sie uns gefällt. Uns allen versteht sich. Standardisierung der Wetterverhältnisse, die wir anpassen an die Städte, die unseren Lebensraum bilden: Kein Regen in Utopia und keine Keime, kein verkleckertes Essen, keine kleckernden Kinder. Kein frühes Aufstehen für den Bäckerlieferanten und kein Aufräumen von weggeworfenen Taschentüchern mehr und aber unbedingt automatisiert frisches Brot und automatisiert frisch gedruckte Zeitungen mit ausschließlich interessanten Inhalten. Vielleicht kann das Internet in Zukunft diverse Kunden- und Nutzerdaten abgreifen und auf offensichtliche Themenschwerpunkte ausgerichtet aktuelle Nachrichten direkt aus den Informationen weltweiter Nachrichtendienste filtern und in Artikel verwandeln. So lesen wir immer, was uns beschäftigt. Oder was wir schon wissen, eingepackt in schöne Heftchen oder gedruckt auf dünnes knisterndes Papier: Je nach Vorliebe.
Weniger Arbeit und mehr Geld für alle, stand einst an einer Wand in einer Unterführung. Wir wollen doch eigentlich nur glücklich sein, ohne zu wissen, was das genau ist. Aber es könnte doch sein, dass Glück nicht für jeden das Gleiche ist. Womöglich ist Glück nicht zu erreichen durch Gentrifizierung oder Uniformität oder durch Herrschaft über die Natur. Vielleicht hat Glück einfach nichts zu tun mit Perfektionismus.

13.07.2011

pragmatic competence.

(the little piece of text used here is taken from wikipedia on the according topic.)

11.07.2011

Des Priviligierten Gier.

Ich habe nichts zu tun mit diesem Land. Nichts mit dieser Sprache und der Natur und der Kultur, der Politik und der Religion. Ich bin zufällig in eine Heimat geraten, in eine Gegend und in einen Sprachgebrauch. Mir wurde ohne mein Zutun eine Nationalität anerkannt, eine Hautfarbe und eine Augenfarbe und ohne meinen Willen taufte mich ein Priester und legte mir einen Glauben in die Wiege, ehe ich an irgendetwas glauben konnte. Ich wurde in einen Kindergarten gesteckt und in eine Schule und in eine Nachbarschaft. In ein Haus und in eine Gesellschaft mit Vereinen und Vorlieben und Lebensweisen. Mir wurden dreißig Euro berechnet, um den Glauben offiziell abzulegen und eine Steuer nicht mehr abzutreten, die mit mir nichts zu tun hat. Ich wurde gestempelt in einem Blatt Papier in einem Land, in dem angeblich der Staat nichts zu tun hat mit der Kirche und mit einem Glauben. Ich wurde in ein Land geboren, in dem man deutsch spricht und in dem eine Flut von fremden Einflüssen gefürchtet wird und in dem Menschen kritisiert werden für das Tragen von Kopftüchern und das Anbeten von anderen Göttern und jede Klage, die ich in meinem Leben hatte, war nicht zu messen mit echtem Hunger und echtem Durst. Mit echtem Leid und echter Angst. Ich bin zufällig geboren worden an einem zufälligen Ort aus dem Schoß eines zufälligen Menschen und ich bin zufällig priviligiert.
Ich bin gewöhnt an einen Standard und an Gesetze und Regeln und an eine Ordnung. Doch der Standard war vor mir da. Nicht ich schaffe ihn, sondern er schafft mich und ich habe nicht das Recht, den Standard als meinen zu sehen und Kritik zu üben an Veränderungen der Norm um mich herum. Ich habe dieses Land nicht geschaffen und ich habe diese Sprache nicht entwickelt. Ich darf mich nicht angegriffen fühlen von neuen Worten und Umgangsformen und von einem neuen Miteinander. Zufällig einige Jahre länger zu verharren in einer Norm gibt uns nicht das Recht, die Norm als von uns eingenommen anzusehen. Und auch bewusstes Verharren rechtfertigt das nicht. Wir haben kein Land und keinen Besitz; wir bewohnen und benutzen nur. Ich habe nicht Angst vor Einflüssen aus anderen Kulturen und anderen Sprachen. Ich habe kein Gefühl für Nationalität. Ich hebe nicht meine Arme und schreie für das Tor einer Mannschaft aus dem Land, in dem ich wohne, in einem Spiel, das von Kämpfen zerfressen ist und von Siegeslust. Ich weine nicht, wenn der Stadt, in der ich wohne, die olympischen Winterspiele nicht zugeschrieben werden und nicht noch mehr Geld ausgegeben wird für nichts als ein Ansehen in einer Welt, durchzogen von Grenzen und Neid und Konkurrenz. Meine Nationalität ist nur ein Fetzen Papier und kein Grund für Stolz. Daran ändert auch die Lamination nichts.
Wir sind keine Gesellschaft, wir sind nur eine Horde von 6.956.950.351 Menschen in einer Welt, die uns nicht gehört. Wir sind viele und wir sind nicht greifbar und kein Ausweis kann uns so einzigartig machen, wie wir es gerne wären. Wir leiden an Sehnsucht danach, etwas darzustellen, nach einem Sinn. Danach, jemand zu sein, und sei es nur ein Anhänger von Ideen. Wir bilden Gruppen und Runden und Parteien und Gemeinschaften und grenzen uns ab von den nicht Vertretenen. Auf der Suche nach einer Zugehörigkeit, die wir in uns selbst nicht finden. Nach einer Zugehörigkeit, die wir nur finden können in einer kategorisierenden Definition und durch das Einfügen in Raster oder das bewusste Abgrenzen von Rastern, die bereits existieren. Wir wollen das ultimative Privileg. Das nicht zufällige Privileg, jemand zu sein und also jemand anders nicht zu sein. Und nur, wenn uns die Gier danach in die Einsamkeit treibt, werden wir sehen, wie weit weg all die anderen dann plötzlich sind und wie wenig glücklich uns das Privileg macht und der Stolz und die Definition.