11.02.2011

Evolution.

This has been posted all over already, which is how I came across it in the first place. I just love it so much that I want to feature it again for all of you who happened to miss it: Big Bang Big Boom.

Enjoy and spread the word.

07.02.2011

03.02.2011

17 October 2008

Lesezeichen.
Ich druecke eine kleine Traene weg. Nein. Das ist eine Luege. Denn du weisst ja: Luegen kann ich besser als weinen. Also mache ich eine Kombination daraus. Ich luege ueber das Weinen. Und wuerde eigentlich irgendwann viel lieber ueber das Luegen weinen. Lesezeichen. Was fuer ein Wort. Es steckt da in dem Buch auf dem Tisch auf dem zweiten Stock, neben mir. Ich moechte die Hand darauf legen und die Oberflaeche mit den Fingerspitzen fuehlen. Als wuerde das etwas aendern. Es lebt nicht. Gar nichts daran. Die Sprache lebt nur durch den Leser. Und den Schreiber. Aber der ist schon wieder woanders. Ich aber bin da. Hier. Mit den Finger ueber die Seiten fahrend, wuensched, die Saetze und Worte wuerden sich erheben und sich neben mir aufstellen wie ein Baukasten. Da drueben stehen Waende und Menschen lehnen daran und haben einen Fuss nach hinten geknickt, mit der Schuhsohle an der Wand. In ihren Haenden: Kaffeebecher. Weil keiner mehr Tassen benutzt. Nur irgendjemand sitzt dazwischen und schluerft von einem Tassenrand, umarmt die Tasse mit den Haenden.
Wir bauen Strassen und Wege und Haeuser und Busse und Autos und Schuhe und Kleider, die man dann in Laeden kaufen kann, die aussehen, als sei alles alt. Als habe alles schon mal jemand anders angehabt und zurueckgegeben. Ich halte inne. Sehe meinen Schreibtisch entlang. Papier ueberall. Stapelweise. Nicht wissend, wohin. Kleine Post-its. Anglizismen, ein Kaffee, kalt, eine Muetze, die dahinten liegt, mein Bauch beruehrt die Tischkante. Hunger. Ich hoere mal kurz in mich hinein: Leer. Ich gehe hoeher. Taste mich hinauf und lausche den leisen Schlagen unter meiner Brust. Nur Haut und ein duenner Brustkorb. Mehr ist da nicht. Ein ein dumpfes Pochen.

Ich stehe auf. Rolle mit dem Stuhl nach hinten und erhebe mich. Drehe mich nach links und laufe ein Stueck. Zum Kaffee. Eine Dose mit Salz. Sehr gefaehrlicher Platz. Da sollte Zucker hin. Ich gehe weiter. Bueros ueberall. Alle leer. Ich habe Kopfschmerzen und drehe die Runde schneller, um die weissen Sofas zu erreichen. Ich setze mich. Atme. Lege mich. Beine hoch. Die Wirbelsaeule verdraengt fuer einen kurzen Moment die Kopfschmerzen. Ich lasse einen Schmerz zu. Er brennt unter und auf meinen Fingern. Weil sie fuehlen wollen. Nur kurz mal fuehlen.
Da ist er wieder: Der Kloss. Ich rufe meine Mutter an und frage, ob sie mir einen Schweinebraten und Sosse kocht. Den Kloss bringe ich dann mit und schneide ihn mit einem scharfen Messer auf. Darin: Keine Semmelstueckchen. Nur Fetzen von uebriggebliebenen Gefuehlsbrocken. Sie schmecken wie Tofu: Nach nichts. Ich esse auf, weil ich morgen keinen Regen will. Meine Schuhe haben kaum noch Sohle. Dann gehe ich nach draussen und teste, wie tief ich in dem Teich versinke. Und ob ich einfach so ertrinken kann. Das Wasser reicht mir bis zum Auge. Und als ich rauskomme, triefe ich am ganzen Koerper. Nur ab den Wimpern ist alles trocken. Ich gehe ins Badezimmer, ziehe mich aus und trockne mich ab. Am Wasserhahn druecke ich meine beiden Zeigefinger unter den Hahn undreibe ein wenig Wasser aus den Leitungen. Kleine Wasserblasen auf der Haut. Die Falten fuellen sich allmaehlich und ich reibe mir die Augen, bis es ein bisschen schmerzt mit den Zeigefingern.

Dann oeffne ich sie. Die Augen. Ich sitze am Schreibtisch, starre auf den Bildschirm und geniesse das Gefuehl des Wassers, das ueber meinen Wangenknochen laeuft.

01.02.2011

Sammellinse: Populismus.

Alltägliche Wahrnehmungen, hervorgerufen durch eigenartige Abhandlung von ausgewählten und zufälligen Worten. Eine Kolumne zu Ungunsten der Definition.
 

Selbstzweifel kommen immer. Immer wieder und auch in den unmöglichsten Situationen. Zum Beispiel in Gesprächen mit Menschen oder Freunden oder Fremden. Zweifel an der Richtigkeit undoder Wichtigkeit des von uns Gegebenen. Zweifel am gegenseitigen Verständnis und Vertrauen und daran, wie viel man sagt und wie viel man nicht sagt und wie viel man preisgibt. Wir kontrollieren also. Kontrollieren uns und hemmen uns und kontrollieren das Gespräch oder den Gesprächsverlauf oder versuchen das zumindest.
Wir zweifeln an unseren Fähigkeiten und an unseren Möglichkeiten und unseren Aufenthalten. Zweifeln an Arbeit und Freizeit und an Schaffensprozessen. Schreiben und Löschen und Malen und Übermalen und Aufnehmen und Überspielen. Reden und Bereuen beziehungsweise Widersprechen und Erklären und Verhaspeln. Wir wollen gefallen oder ganz bewusst nicht gefallen. Beides bedarf aber Vorgehensweisen und Risiken und die Frage: Ist man erfolgreich. Aber was hat Erfolg mit uns zu tun. Erfolg im Persönlichen. Also: Erfolg im Bezug auf Eigenregie oder Kontrolle. Ist es erfolgreich, ein Gespräch zu lenken und einen Eindruck zu vermitteln, den man vorhatte, zu vermitteln oder ist es erfolgreich, man selbst zu sein, ohne darauf zu achten, welchen Eindruck man im Endeffekt vermittelt und sich also einfach keine Gedanken zu machen über Kontrolle oder Kontrollverlust oder Meinungsbildung, die sich (versucht man sie bewusst bei anderen zu beeinflussen) ohnehin als nicht kontrollierbar herausstellt.

Ich denke: Welche Meinung die anderen von uns haben, können wir nur bedingt beeinflussen und also nur bedingt kontrollieren. Vermutlich ist es sogar weitaus häufiger, dass diese Meinung nicht übereinstimmt mit dem, was man selbst sieht, denkt man an sich runter. Weil jedes Verhalten nun mal nicht nur als Verhalten da ist, sondern auch aufgenommen wird und werden muss. Was wir für andere sind, sind wir also erst wirklich, wenn diese anderen uns sehen und hören und wahrnehmen. Und dennoch scheint es uns so wichtig. Nicht zuletzt durch gesellschaftliche Werte und Wahne (Schönheit und Stärke und Erfolg und was nicht alles) wollen wir vielleicht nicht unbedingt ausstrahlen oder nur strahlen, haben aber oft das Gefühl, es zu müssen, um mitzuhalten und genügen uns unter Umständen selbst nicht mehr und dann auch keinem anderen mehr. Was der andere aber dazu denkt, können wir doch gar nicht klar sehen. Nur ein verschwommenes Bild dessen, vermischt wiederum mit unserer eigenen Reflexion. Wir reflektieren genau wie alle anderen um uns. Wir können zwar versuchen, jeden so zu nehmen und so zu verstehen, wie er ist, haben aber keinen Garant dafür, dass das mit dem Selbstbild desjenigen einhergeht. (Selbst wenn der oder diejenige ganz er oder sie selbst ist.)
Es wäre natürlich wundervoll, sähen wir uns alle gegenseitig so, wie wir sind. Ich halte es aber fast für unrealistisch. Hinzu kommen ja auch Geheimnisse: Nichtausgesprochenes, Spannendseinwollen, Verschleierungen und bewusste Verwirrungen. Wir spielen doch auch gerne, wollen Interesse wecken und nicht alle Karten offen auf den Tisch legen. Wir verlieben uns ja auch und wollen Gegenseitigkeiten. Wollen nicht auf Sockel gestellt werden, aber auch nicht von Sockeln aus betrachtet werden. Ich habe manchmal aber das Gefühl: Sich auf Augenhöhe zu begegnen wird zur größeren Herausforderung als Erfolg zu heucheln oder netter: auszustrahlen.

Mir wurde einmal gesagt: Man kann sich nur auf einer Augenhöhe begegnen. Auf einer Augenhöhe muss man nicht gefallen, sondern tut es einfach oder nicht. Keiner fällt irgendwo runter oder läuft wogegen. Nur dann kann man sich gegenseitig über die Füße stolpern oder anrempeln oder in den Arm nehmen oder and der Hand halten oder muss nicht schreien beim Miteinandersprechen und kann auch mal flüstern.

Du, diverse.

Du sprichst von Schwäche. Ganz nah an meinem Ohr und wir sehen uns an, unmittelbar. Wir suchen nach Stärke und ich bin schwach und du bist stark, begiebst dich in Position, richtest dich auf und siehst herab auf mich, der da liegt, und ich erkenne es nicht. Differenziere nicht zwischen Stärken und Schwächen, differenziere nur zwischen dir und mir und dem, was wir sind und dem, was ich sehe und greife. Schwäche ungleich Stärke ist gleich Angriffsfläche: Unterdrückung in der Schule und im Berufsleben und jeder Beziehung. Schläge und Kommentare und Gehalt und Vertragsverlängerungen und Wohngemeinschaften und Lebensgemeinschaften. Auf einer Augenhöhe begegnen: Wo lernen wir das. Bleibt eine Augenhöhe konstant oder hängt es ab davon, wer zuerst mit welchem Bein aufsteht. Einer bleibt immer erst einmal liegen und wir sehen uns an und wir sagen nichts und du richtest dich auf oder ich richte mich auf und du gehst oder ich gehe: Es ist schon sehr lange her. Das nächste Mal nehmen wir uns nicht in den Arm und reißen uns in Fetzen stattdessen, die wir lieben können und akzeptieren können und die kein Ganzes mehr ergeben (müssen).