06.10.2010

Viererbänke.

Ein Tropfen Wasser fällt auf die Zeitung in meiner Hand und sickert in die Buchstaben und den grauen Hintergrund und macht ihn: dunkelgrau. Ich überlese jeden zweiten Satz und höre nur das, was aus den Kopfhörern kommt. Ein Mann fährt mit einem kleinen Gefährt den Gehweg auf und ab und bläst Blätter zu Bergen zusammen und bläst dann Blätterberge umher, er rüttelt hin und her, als er vom Randschein poltert. In der Bahn setze ich mich auf eine freie Viererbank, eine Frau kommt herein mit zwei kleinen Mädchen und einem Hund und schaut sich um und ich wechsle auf die Einerbank auf der anderen Seite, gegenüber ein Mann, der seine Beine nicht bewegt und Zeitung liest. Ich sitze schief. Die Frau lacht mich aufmerksam an und bedankt sich und die Mädchen setzen sich und streicheln ihren Hund und ich bin froh und halte meinen Blick auf ihrer Seite der Bahn, mir der Ambivalenz zu meinem Sitzplatz bewusst. Ich bin gerührt davon, wie oft die Familie sich berührt: Streicheln über den Kopf des Hundes von sechs Händen verschiedener Größen und unterschiedlichen Drucks, Streicheln über den Kopf der Mädchen, Berührung am Kinn, die Zähne des kleineren Mädchens werden angesehen, es schwingt mit den Beinen, die nicht zum Boden reichen. Der Hund kriecht durch alle Beinhindernisse hindurch und über alle Füße mal hinweg. Die Zeitung des Mannes schlägt gegen meinen Arm.
An meiner Station stehe ich auf, die Mutter sieht hektisch in Richtung der Anzeige und dreht sich wieder ihren Kindern zu und sieht nicht mehr auf. Der Anblick rührt mich. Ich kaufe mir ein Croissant und steige in die nächste Bahn und entgehe einer Horde Jugendlicher, die den kleinen Bäckerladen stürmen und in ihren großen Kreisbildungen keine Rücksicht nehmen auf Radius und Tangenten. Ich steige bald wieder aus, ein Mann schlägt die Türe seines Autos zu und die Blätter auf seinem roten Dach tänzeln im Windstoß. Die Straße ist nass, es hat geregnet in der Nacht und ich bin vor meinem Wecker aufgewacht und irgendwie ist alles ganz gut.

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