17.10.2010

Erster Schnee.

Es regnet und die Straßen glänzen im trüben Grau und die Luft riecht nach Kälte und die Erkältungen tanzen durch die Stadt und die Menschen hindurch. Mäntel und Mützen und Regenschirme und gute Schuhe gegen das Wasser am Boden und vom Himmel und nachts strömt der Fluss alleine weiter durch die Stadt, die Fußgänger sind mit dem Wind beschäftigt und mit ihren Regenschirmen und den kleinen Hunden an der Leine, die den Kopf nicht einziehen können und am Brückenpfeiler schnuppern. Männer schlafen in Taxis und haben die Mützen tief ins Gesicht gezogen, einer liest Zeitung im grünen oder gelben oder roten Licht der Ampeln. Wir verkriechen uns und sammeln Eindrücke und lesen oder machen den Fernseher an und aus und überlegen: was essen wir heute und kochen einen Tee oder Kaffee und stehen mit der Tasse am Fenster und sehen in den Herbst hinaus. Die Blätter verschmieren sich über den Gehweg und von den Tischen vor dem Café an der Ecke tropft der Regen in kleinen unregelmäßigen Bläschen auf das Pflaster. Der Baum weht im Wind und ein Ast krümmt sich und ein Auto hupt; auf seinem Dach spiegelt sich die Leuchtanzeige des Kinos gegenüber.
Wir servieren Kräuterschnaps gegen Halsschmerzen und reden uns auch sonst allerhand ein und ich suche nach einer Passage in einem Buch und auch schon seit langem nach einer DVD und kann nichts finden, nur den Lautstärkeregler im Regal und kleine Schätze im Internet und eine Faszination, die nicht festzuhalten ist, auch in keinem Warenkorb oder tragbarem Medium. Im Hintergrund trinkt Indiana Jones aus dem heiligen Gral und bringt ihn Sean Connery und ich denke: leben die beiden jetzt für immer. Und: warum ist kein Staub im dem Kelch. Alte Serien gehen zum wiederholten Male zu Ende und wenn man nicht damit rechnet, tauchen unverhofft Lieder auf, die man seit Jahren nicht gehört hat und man fühlt sich kleiner und jünger und anders beim Hören und lässt es aber auch bald wieder. Man verändert sich nicht ohne Grund. Nur beim ersten Schnee will ich dabei sein und die Flocken einsammeln mit den bestimmten Tönen im Ohr. Über manches wächst man (zum Glück) nie hinaus. Da kann man leben, so lange man will.

Kommentare:

  1. schöner text, schöne bilder. beim gedanken schnee wird mir schlecht. dennoch freue ich mich auf die grossen flocken, die auch ich immer wieder gerne einsammeln möchte. faszination winter. da ist es wieder. dieses komische gefühl.

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  2. A boy who needs a friend finds a world that needs a hero??

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  3. so zumindest steht es dort. mehr aus zufall aber (als aus plan) findet es sich hier wieder.

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