05.09.2010

Schweiß.

Auf dem Tisch liegt ein Buch, das Lesezeichen blickt verrupft aus den Seiten. Daneben eine Tasse Kaffee und ein Teller und ein paar Brösel und die Folie, in die das Sandwhich eingepackt war. Zucker, vereinzelte Körner auf dem brauen Tisch neben meinem Arm neben den kleinen braunen Punkten. Ich starre vor mich hin und halte dir Hände ineinander und Menschen laufen um mich herum und setzen sich und trinken Kaffee und essen etwas und klappen ihre Computer auf und wieder zu und schlagen ihre Bücher auf und wieder zu und reden mir ihrer Begleitung und beruhigen ihre Kinder oder tun gar nichts. Meine Hände schwitzen und mein Kaffee ist schon fast kalt und immer noch nicht leer. Ich greife nach meinen Telefon, weil es die einzige Uhr ist, und greife dann nach meinem Buch und lege das Lesezeichen auf die Zuckerkörner.
Hinter den Köpfen der zwei jungen Frauen am Tisch gegenüber: Die Anzeigetafel. Noch unerheblich für mich und ich beobachte zwischen den Zeilen die Relevanz der dargebotenen Daten für mein Außenrum. Der Tisch neben mir wird abgewischt, die Gläser und Tassen weggetragen. Ich wische meine Hände an meiner Hose ab und sehe keine Flecken und auch keine auf dem Tisch und auch keine auf dem Buch, das ich in der Hand gehalten habe die letzten Minuten oder schon Stunden. Der Schweiß bleibt wo er ist und verlässt meine Hände nicht. Mir ist kalt und dann warm und ich schlage die Beine übereinander bis es schmerzt unter dem kleinen eckigen braunen Tisch, auf dem noch immer der Zucker liegt und meine Tasse kalten Kaffees mit Schaum darauf. Ich bin gar nicht da. Ich habe keine Tasche neben mir liegen und keine Papiere in den Taschen und kein Buch in der Hand oder auf dem Tisch. Ich habe keine Zeit und dabei alle Zeit der Welt und ich warte nur und will eigentlich gar nicht. Ich wechsle den Ort und setze mich also in Bewegung nach dem letzten Schluck und stecke das Buch in die Seitentasche und hänge die Tasche über meine rechte Schulter und habe sonst schon alles erledigt und gehe auf und ab und sehe auf den Boden und auf die Stühle und auf die Menschen, die da sitzen: zu zweit oder zu mehrt und mit Kindern oder ohne oder ganz alleine mit einem Computer. Ich sehe nach oben und suche nach Informationen und Anzeigen und Zeiten und Richtungen und komme irgendwann an und sitze erneut und kann nicht mehr lesen: Mein Herz schlägt zu laut.
Es ist ein einziges Sitzen mit wenigen Schritten dazwischen und etwas zu Essen und etwas zu Trinken und Temperaturwechsel und Zeitumstellung und Kaffee und Cola. Musik und geschlossene Augen und geöffnete Augen und immer das Herz. Druck auf den Ohren und Druck auf den Schultern und irgendwann steht man da zusammen und wartet erneut und Koffer rollen vorbei und laufen vorbei und jemand lacht und andere suchen nach Taschen und fassen mehrere an und nehmen irgendwann eine. Meine Hände sind nur noch kalt und ich stehe dort lange und kenne mich nicht aus und gehe schließlich den Vorgängern hinterher und lese keine Schilder und will sie nicht lesen und werde schon irgendwo raus kommen. Und irgendwann erkennt man Dinge wieder und dann sitzt man wieder und redet und dann nur noch schlafen. Und kaum steht man auf, ist man anders und sieht sich um und bewegt sich und alles ist anders um einen. Gewohnheit ist ein relativer Wert und die Hände sind nur noch trocken und berühren jede Wand und jede Tür und jeden Stuhl mit einer irgendeiner Vorsicht und ich glaube es nicht, mit den Händen über den Augen: aber die Sonne ist immer die selbe, egal, wo man ist.

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