16.08.2010

Wandgedanken.

Vielleicht stehst du so vor deiner weißen Wand und siehst vielleicht gegenüber an eine andere weiße Wand oder das Regal oder das Poster oder die Tür und du bist: Kontrastmittel. Auf der Straße gehen Menschen durcheinander durch und funktionieren nur und zucken nicht einmal zurück. Nur Einkaufstüten, die hängen bleiben und wackeln und knirschen und dann abgestellt werden auf Sitzplätzen in Bahnen und dann schauen alle aus dem Fenster und sitzen für sich und gehen unter in dem Außenrum. Die weiße Wand macht dich grell und gestikulierend und du stehst da nur und versteckst dich vielleicht in dem einzigen Umfeld, in dem Verstecken noch Verstecken ist und also aktives Nichtgesehenwerdenwollen im Unterschied zum rüpelhaften Ignorieren in Massenbewegungen. Du bewegst dich kurz ganz schnell und hältst inne und streichst die Wand mit deiner Handinnenfläche und bist vielleicht froh ob der rauen Farbe auf deiner Hand und nicht nur ständig das Innere deiner Hosentaschen und Messer und Gabel und Glas und eine Tastatur und keine Hände von Mitmenschen. Nur Schultern, die aneinander stoßen und Ellbogen, die fester aneinander stoßen und jeder ist nur für sich und hat Stöpsel im Ohr, egal, ob allein oder nicht. Die weiße Wand ist echter als die Gesichter in den Straßen und du bleibst so stehen und schaltest den Fernseher nicht ein und das Radio auch nicht und öffnest keine Türen und denkst während deine Finger die Fingespitzen gegen die Wand drücken wie lange es her ist, dass du eine Hand wirklich gefühlt hast, die nicht deine eigene war.

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