19.08.2010

Salz.

Schon der Morgen hat nur Salz im Mund und Bilder wachsen im Kopf heran und darüber hinaus und steigen durch die Nase und die Ohren und die poröse Haut nach außen. Von innen drängt sich alles rastlos durch die Haut in die Arme und die Beine und was bleibt, sind nur Adern auf der Haut und kleine Haare, die sich stellen und senken wie Pflanzen im Sonnenlicht. Das Essen schmeckt nach Salz und das Wasser schmeckt nach Salz und der Kaffee und die Cola und der Kaugummi und auch das Bettlaken riecht nach Salz. Wieder geschwitzt durch die Nächte und was unterscheidet den Tag und die Nacht überhaupt außer Wachsein und Funktionieren, wenn die Vorhänge geschlossen sind und keine Sonne mehr scheint und nur Wolken wandern und schleichen und sich tummeln am Himmel. Pfützen auf dem Asphalt und nasse Schuhe und nasse Socken und nasse Füße und es ist kalt und es wird Herbst. Aber da ist noch kein Blätterrascheln und noch kein wahres Rauschen an Blättern, wenn ich die Füße nicht heben will beim Gehen auf dem Gehsteig. Da sind keine kahlen Bäume. Alle warten noch auf das, was passiert. Sei es nur der Herbstduft oder ein Wunder oder das Glück oder Hände, die nicht ins Leere greifen oder vielleicht ein Lachen irgendwo oder ein anderes Geräusch als das Pfeifen im Kopf.
Die gleiche Schlange in dem gleichen Geschäft und das Gleiche im Warenkorb. Ich wiederhole mich selbst und drücke mich aus wie Zahnpastatuben und stelle mich unsanft in die Ecke, zusammengekauert, den letzten Rest noch darin. Durch die Wohnung gehend will ich Möbel umsortieren und kann aber nicht in den vier oder mehr Wänden. Kein Platz mehr; alles ausgefüllt mit den pochenden Adern und Verpackungen. Ich liege da und frage mich, wie man einschlafen kann und überlege, was ich tun kann dagegen und schlafe einfach ein irgendwann, ohne zu wissen, was wie und wann passiert. Ich lese Zeilen im Bett und in der Tram und in Cafés und verstehe nichts und klappe das Buch leise und vorsichtig zu und halte es fest mit beiden Händen und packe es in meine Tasche, die quietscht beim Laufen. Ein wenig Staub am Boden und dezent klirrendes Geschirr beim Abräumen der Tasse und des Löffels.
So daliegend schleicht sich das Salz auf meine Lippen und ich strecke die Arme aus und die Hände neben dem Oberkörper und atme kaum und denke an den Toten Mann im Wasser und dass man ja nicht untergeht, liegt man so und gehe also nicht unter, wenn ich fest daran glaube.

Kommentare:

  1. der kaugummi? das kaugummi? keine ahnung.

    wie immer, wunderbar.
    vielleicht wird es ja noch einmal richtig warm, bevo der herbst kommt. auch wenn sich dieser regen schon lange nicht mehr wie sommerregen anfühlt, oder schmeckt und riecht.

    AntwortenLöschen
  2. dank dir.
    ich kann ihn kaum erwarten den herbst. nur das mittelding erfreut mich nicht. wenn die blätter erst zu fallen beginnen und ein wind durch die straßen flattert; das ist mir sogar lieber als die wärme.

    AntwortenLöschen