04.08.2010

04 August 2010

da ist eine gewisse schwäche in mir oder eher: eine unlust. die mich träge macht und müde und nicht aufstehen lassen will und ich stelle meinen wecker um jeden morgen und schäle mich aus dem bett in die dusche in die jeans aus der tür in die tram durch die leute. ineinander verwachsene tage sind nicht mehr zu unterscheiden und auch nicht am wetter. nur noch am fernsehprogramm und vielleicht am ein oder anderen termin über den tag verteilt. und dann trifft man sich am abend und öffnet eine flasche wein oder cola oder bier oder wasser und redet und isst und trinkt und redet und redet und diskutiert und lacht und denkt und befeuchtet sich die lippen mit der zunge und schlägt beine übereinander oder nicht und es ist also wochenende. und monatsende und dann jahresende und alles geht schnell und nichts wächst mehr außer dem bart im spiegel im badezimmer jeden tag.
lesebändchen wandern durch bücher und seiten durch finger und buchstaben durch augen und brillengläser und dann alles ins regal und was neues in die hand und in die tasche und die tasche um die schulter und menschen gucken länger als erwünscht und andere kürzer als erwünscht, aber nie: genau richtig. ich sehe alditüten und pennytüten und h&mtüten und schmutzige jacken und freizügige arme und kinder, die hände halten von erwachsenen und stehen und warten und einen trambahnfahrer pause machen, die zigarette auf hüfthöhe und eine mutter mit kind und kinderwagen vorüberfahrend mit kindskopf auf kippenhöhe.
keiner meiner nachbarn im stockwerk hat ein namensschild und ich kenne niemanden. sie wechseln sich ab miteinander wie auswechselspieler und dann wird wieder gebohrt in der wand und kinder schreien vor dem fenster und eine alarmanlage geht los vor dem fenster. mein balkon war verstopft, als ich nach einem wochenende nach hause kam: da stand wasser ein paar weniger zentimeter hoch. mit einem meterstab räumte ich den abfluss frei und für minuten platschte das wasser metertief auf den hof hinab an einem heißen trockenen tag und ich schloss die balkontür von innen. mir fehlt das geräusch von regen und ich spare urlaubstage auf für die kühleren tage und für wenn es wieder nach blättern riecht und nach wind und regen und sonnenstrahlen schöner sind zwischendurch, weil sie nicht mehr brennen und blenden, sondern herausragen im gesamtbild.
zerschnippselte gesamtbilder neu zusammensetzen und ablichten und anders aussehen und neu und manchmal blinzelt man nur und dann wird schwarzweiß zu bunt und was man immer machte und worauf man immer bestand, verwandelt sich in anderes. überall wissen alle nicht, was sie tun und was sie wollen und wohin mit sich und glauben aber, benachteiligt zu sein beziehungsweise: es wissen zu müssen und verzweifeln an einer ahnungs und sinnlosigkeit. und dabei gibt es den doch gar nicht. welchen sinn auch. außer vielleicht kurze hüpfer im herzen an manchen tagen und kurze gefühle und impulse im blut und in der haut und im gesicht und im kopf und einschlafen mit einem lächeln und an sich runtersehen gelegentlich und sich keine sorgen machen dabei. unser glück ist doch nicht ultimativ. es ist doch nur momentan.
da waren straßen, durch die ich gegeistert bin in horden von leuten, alle unterwegs zu irgendwas oder alle nur da, um da zu sein und keiner bemerkt keinen. wie ein fluss, in dem wasser mit wasser zusammen in eine richtung geht, nur geht kein tropfen schneller als ein anderer tropfen und niemand rempelt sich an und niemand pöbelt und wasser ist eben wasser und menschen sind menschen. die angst vor der masse löst sich auf in der masse, im untergehen und im nichtsbesonderessein und ein mitsichalleineseinkönnen tritt sich breit in dem schwarm und der hektik. wir wollen bedeuten und deuten und auffallen und nicht untergehen. aber ich finde ja: es kommt schon auf die masse an und nicht auf uns selbst.

Kommentare:

  1. einfach nur müdes treiben und immer weiter gehen.

    du schreibst einfach nur wunderbar, das muss man immer und immer wieder sagen.

    AntwortenLöschen
  2. man taucht da rein, schon nach dem ersten satz. in den stolpert man rein und der stolpert einen mit.

    gefällt mir sehr, sehr gut mein lieber!
    so beobachtungen sind essentiell.

    AntwortenLöschen
  3. das ist so lieb von euch beiden.
    ich danke euch.

    AntwortenLöschen
  4. menschen gucken länger als erwünscht und andere kürzer als erwünscht, aber nie: genau richtig.

    dieser satz mag ich! den text auch. :)

    AntwortenLöschen