21.07.2010

Negation.

Es bereitet mir physische Schmerzen und mir wird gesagt, ich sei negativ und ich lache und starre in die Sonne und rücke meine Brille zurecht. Meine Hand schmerzt ein bisschen und der linke Ringfinger knackt seit geraumer Zeit, wenn ich ihn anwinkle. Heute Morgen sahen die Blätter an den Bäumen noch so wunderschön grün aus und jetzt: sie wirken verwaschen, wie alt und zu oft getragen beziehungsweise gesehen. Wir schauen auf Oberflächen und sie verlieren Konturen. Zu langes Hinsehen macht verschwommen und wir hören etwas und Starren aber nur noch geradeaus in eine Menge von Leuten und eine Menge von Haut und Beinen und Händen und Lippen. Stoßen uns an und notfalls eben nur mit der Hand ineinander und Klatschen und erzeugen Reibung im Vorübergehen und Schwitzen und zwinkern und heben Augenbrauen an und Kästen voller Getränke nach Hause, um was Erfrischendes zu haben, falls Gäste kommen. Aber Gäste kommen nicht und der Balkon sammelt Wasser vom letzten Gewitter und ich warte mit den nackten Füßen darin, bis es verdunstet in der Brühe der Luft. Von einem Stuhl aus wird mir hinterhergesehen und ich fasse mir ins Gesicht und an die Nase und in den Nacken und fahre mir durch die Haare und ziehe mein Tshirt zurecht und drehe mich nicht um und schalte mein Telefon aus und schulde eigentlich Anrufe.
Menschen sprechen mich an, an die ich mich nicht erinnere oder die ich gar nicht kenne und nicht kennen kann und die mich vielleicht also nur verwechseln. Und Menschen sprechen mich an, an die ich mich nicht erinnern will. Menschen, die auf Bildern irgendwo in meiner Wohnung liegen in einem Buch und zweien in der Ecke mit der schwarzen Tinte darin und den Tesastreifen. Auf meiner Hand stand einmal, ich sei unsichtbar und ich habe es nie geglaubt, habe mir einen Spaß daraus gemacht oder vielmehr: ein Spiel. Und habe dann Straßen kennen gelernt und Menschen und wurde nicht wahrgenommen und auf meiner Hand stand gar nichts.
Ich verschütte Tropfen gegen Kopfschmerzen und umarme mich selbst und gehe eine Runde um den Block und erreiche das Ufer mit nichts in den Händen als dem Schmutz, der sich abträgt beim Laufen. Ich rutsche fast aus an einem Weg und pralle gegen Bäume und stürze ins Wasser und treibe ab und kann plötzlich schwimmen in meinem Kopf und sitze aber eigentlich nur auf einem Stein und versuche, nicht zuzuhören. Nur noch fünf Seiten in einem Buch und ich sehe nur weißes Papier. Ein Kronkorken springt auf den Boden und ich nehme meine Brille ab und sehe nur noch Haut.

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