02.07.2010

Eskapismus.

Kommentar zu Bloß kein Krieg der Sterne von Boris Häußler (der Freitag Nr. 21 vom 27.Mai 2010)

Der Mensch will unbedingt weg. Oder weiter und höher und besser und überhaupt. Er breitet sich maßlos aus und nimmt, was ihm gefällt und greift nach den Sternen dabei. Hemmungslose Handlangereien um Besitz und Profit, die nur mit Gesetzen und Ordnung und Vollziehung gebremst werden können. Welcher Art auch immer; Hauptsache Regulierung von Wünschen und Trieben und dem Ausleben davon. Und spätestens seit die Ressourcen unserer unmittelbaren Umgebung abkratzen beziehungsweise das Meer runter gehen, streben wir nun endlich danach, uns den wohlverdienten Weltraum eigen zu machen: Da bieten der Mond und der Mars ganz neue Möglichkeiten. Eine Firma in den USA verkauft nicht zuletzt deshalb bereits seit zwanzig Jahren Grundstücke auf dem Mond. Forscher wetteifern um die Gunst des schnelleren oder stärkeren oder besseren. Ergründen wollen sie und dem Mars seine lebensfeindlichen Züge nehmen und einen Treibhauseffekt auslösen, heißt es da. Nehmen, was da ist, es verändern, sein Eigen nennen und es dann ausbeuten, Korrektur: anpassen natürlich. Schöne Möglichkeiten, die der Mensch sich da schafft. Im langjährigen sogenannten Mondvertrag ist daher selbstverständlich auch schon festgehalten, wem die Mondressourcen zustehen: Der Menschheit an sich. Da fühlt sich gleich jeder angesprochen und stürmt darauf zu. Den Blick im Kopfkorsett schwer geradeaus gerichtet, oder in den Spiegel. Da mischen sich Regierungen ein und die Industrie und Scherereien werden laut um Besitzansprüche, weil: Meins ist nicht deins.
Mit einem neuen Kalten Krieg im All wird das verglichen und mit dem Hinweis versehen, rasch einen rechtlichen Rahmen zu schaffen. Denn wir wissen ja: Der Mensch wird ohne rechtlichen Rahmen zum Tier und geht los auf Feindlichgesinnte und im Zweifel auch Gleichgesinnte, entpuppt sich eine Gelegenheit zum persönlichen Vorteil. Und Feinde haben wir ja gerne, Feindbilder sowieso: Tiere müssen weg, CO2 muss weg, ALF muss weg. Also stecken wir Grenzen schon da, wo wir gar nicht sein können beziehungsweise: Wir stecken Grenzen schon an Orten, die wir einzunehmen gedenken, weil uns unser Platz nicht mehr reicht und wir den ja bereits ruiniert haben. Hingebungsvoll träumen wir dann von einem Leben auf unseren Himmelskörpern, oder eher: einer Okkupation unserer Himmelskörper. Einhergehend damit klassifizieren wir schon jetzt, was wie und wo abzulaufen hat, damit gewährt wird, dass auch alle gleich sind. Aber bitteschön nur, wenn festgelegt wurde, auf welche Weise diese Gleichheit auszulegen ist und was aufgrund außergewöhnlicher Umstände von dieser Gleichheit ausgenommen werden muss. Vorteile hat das aber für den zukünftigen oder schon jetzigen Planetenwanderer: Wenn ein Astronaut auf dem Mars unterwegs ist und sein Vehikel den Geist aufgibt, darf er die Gerätschaften anderer Nationen nutzen, um sich in Sicherheit zu bringen. Das ist aber nett von den anderen Nationen. Der Mensch entdeckt: Solidarität.
Wir schleppen also keine (Bürger)Kriege auf den neuen Grund (oder zumindest planen wir es nicht direkt), wenn wir von vornherein Gesetze entwerfen, die Besitzansprüche und Grenzen regeln – in weiser Voraussicht haben wir auch schon die Nutzung von unseren herzallerliebsten Massenvernichtungswaffen festgelegt. Aber: Wir sind offensichtlich angewiesen auf Gesetze, die Besitzansprüche und Grenzen regeln, weil wir sonst über einander Gut oder einfach direkt übereinander herfallen. Wir brauchen jetzt also auch eine Ordnung für den Weltraum. Klingt das wirklich so vernünftig. Klar. An Vernunft fehlt es nur in der Gier des Menschen, Korrektur: in seiner Art, die groben Hände so weit auszustrecken. Denn wenn die Hände so viel zermürben auf dem Weg in den Himmel, dann sollten wir uns zumindest auf dem Gedanken ausruhen können, zu wissen, wer zu belangen ist. Ordnung kommt ja vor dem Fall. Oder war das Hochmut.

1 Kommentar:

  1. Das die Weltbevölkerung danach strebt das Weltall bzw. in naher Zukunft versucht unsere nächsten Himmelskörper zu bewohnen ist durchaus verständlich...Jeder Mensch hat das instinktive Verhalten zu Überleben. Zwar ist diese Ureingebung bei vielen noch nicht begreiflich oder faßbar, aber auf Früher oder Später wird das Bestreben nach dem Himmel zum Greifen wahrhaftig! Doch dass die Ökonomie noch zu sehr auf Profit und andere wirtschaftliche und politische Vorteile aus ist, wird sich sehr bald als große Herausforderung bzw. als unüberwindbares Problem für die Menschheit herausstellen und sich auch als Solches sich auch auf Immer und Ewig verabschieden-die Hoffnung stirbt zuletzt. Meiner Meinung nach setzt dies Vorhaben ein liberalen, föderalistischen Gedankengang voraus...und dazu ist die Menschheit noch nicht fähig!!!
    Wahrscheinlich erst wenn es bereits zu spät ist!!!
    Grüße aus Augsburg
    The Unknown Stuntman (TomTom)

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