26.06.2010

System.






















Gefunden in Augsburg.

Learning to love you more. (45)















 










Michael Ende, Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch

Assignment #45
Reread your favourite book from fifth grade.

24.06.2010

Sucht.

Schlecht geträumt. Von anderen Zeiten, die mal waren und nicht wieder kommen. Weil nichts so wieder kommt, wie es schon mal da war. Schon allein durch Veränderung im Kopf und im Herzen und im Gesicht. Und Orte sind nie mehr genauso wie beim ersten Blick und auch Menschen nicht. Träume vom Verlassensein und von verlorengegangener Zuneigung beziehungsweise von schwindendem Vertrauen oder gar: leeren Worten. Sehnsucht ist wie jede andere Sucht: ungestillt raubt sie weit mehr als nur Schlaf.

23.06.2010

18.06.2010

Fundstücke




Alle Karten von Ruth Gimpel.(Gefunden im Café Fortuna, München) 

15.06.2010

Helden.

Es sind die Wiederholungen. Überall und an jeder Ecke: Ob nun eine aufgehaltene Hand oder eine Hand mit einem alten verbeulten Kaffeebecher darin, hingehalten wird sie und angesehen wird man manchmal und angesprochen gelegentlich. Pfützen neben den Füßen oder heißer Asphalt und klebende Schuhsohlen und Kniekehlen und Sonnenstrahlen oder Laternenstrahlen oder ein leuchtender Himmel von elektrischem Licht über unseren Köpfen, zu Boden gerichtet und vor Scham vielleicht mit geschlossenen Augen. Schlafen in Trambahnen und hin und her wippen im Berufsverkehr mit Fahnen an den Lippen oder Fahnen in den Händen und Schals umhängen bei egal welchem Wetter zu der Fußballzeit. Eine einrasierte Deutschlandflagge am Hinterkopf eines Mannes und die BILD Zeitung in seiner Hand. Weiße Ohrenstöpsel in jedem dritten Ohr und reger Durchgang auf den Einkaufsstraßen. Am Telefon die gleichen Menschen mit den gleichen Problemen und wir alle haben Hunger jeden Tag immer wieder und Durst und wir essen und trinken und reden und planen und wollen tun und erreichen und haben Ideen und lassen sie wieder versacken im Alltag während wir im Supermarkt stehen und Bioprodukte kaufen, um wenigstens etwas zu tun für unsere Welt. Wir sprechen über das Wetter und über Urlaubsziele und Hotels und Sehenswürdigkeiten und beschweren uns über das Wetter und über Kellner und über Mitmenschen, weil sie einfach zu laut sind oder zu leise oder zu aufdringlich oder zu zurückhaltend oder zu schön oder zu hässlich. Verstehen nicht mehr, was passiert im Krieg und in der Politik und in den Nachbarhäusern und in den Kaufhäusern und kommen ja kaum mehr hinterher bei all der Entwicklung und sehen etwas und wollen es haben und konsumieren und arbeiten dafür und verbingen Zeit mit uns unbegreiflichen Dingen und Menschen, um uns unbegreifliche Dinge zu kaufen (oder Menschen). Sind ja auch immer triebgesteuert und machtfanatisch und wollen siegen und erobern. Sei es nun ein Fußballfeld oder eine Monarchie oder eine Anarchie oder eine Demokratie oder eine Frau oder einen Mann oder einen Arbeitsplatz oder einen Kindertagesstättenplatz in dieser Zeit. Alles ist rar und wir verbrauchen und verbrauchen. Klopapierrollen und Fleisch und Wasser und Öl. Stopfen alles rein in die Einkaufstasche kurz vor dem Feiertag. Wir sparen, steht dann auf den Packungen und meint: Du zahlst etwas mehr Geld für nochmal etwas mehr Ware, die du eigentlich nicht willst. Greif zu. Nutze die Gunst der Stunde: Wir sind alle in Geberlaune und brauchen Flachbildfernseher und HDTV und Spielekonsolen und neue Schuhe und Schmuck und Urlaub und Autos und Steuerberater. Und: Statussymbole.
Wir sind gefährlich in unserer Gier und Unachtsamkeit und die Demokratie wackelt wie der Mann in der Tram, betrunken ist sie und hatte gute Laune und es dann übertrieben und hat das nun davon und am Besten, man äußert sich nicht zu den Wahrheiten. Da muss nur jemand kommen, der Revolution verspricht und alle sind da. Zusammenhalt und ein kollektives Brüllen auf der Straße angesichts etwas, dass wir nicht geleistet haben. Ein Bejubeln von anderen, eine Projektion von der Sehnsucht nach Erfolg und ein Klatschen in einem vollen Raum, das der Empfänger nie hört. Ins Zeug legen für Bedeutungsloses; eine Flucht vor dem Jetzt und hier hinein in den Bildschirm und hinein in die Freunde und den Wahnsinn, der so passiert und der uns so lächeln lässt und Glück fühlen lässt und: so schön, so ein Ausnahmezustand. Ausnahmen brauchen wir, wie Hitzefrei oder Schneefrei oder Wochenende oder Urlaub. Ein stetes Flüchten vor dem, was da ist und vor dem, was wir haben. Der Feind Alltag und der Feind Langeweile und der Feind Wir selbst. Ablenken. Nicht anstrengen. Und da rieselt es Floskeln und es ist wie ein Guten Morgen oder ein Schlaf gut oder ein Guten Appetit oder Gesundheit nur noch Höflichkeit und Unachtsamkeit gegenüber der Worte und unser ganzer Tag avanciert zu Trance und das Telefon klingelt, egal, wo man ist und man telefoniert, egal wo man ist, und liest Nachrichten und schreibt Nachrichten und tauscht sich aus ununterbrochen, egal, wo man ist. Kauen mit offenem Mund. Wir wollen Aufmerksamkeit oder gut sein oder wirken. Wollen uns ausdrücken und eine Haltung darstellen und stemmen die Hände in die Hüften oder schlagen Beine übereinander oder kauen Kaugummi mit offenem Mund und schmatzen und lachen laut und haben ein Kettchen um den Hals und ein frisch gewaschenes Auto oder das Gegenteil. Sind nicht nur in unserem Kopf, sondern vielmehr außerhalb. Wir sind nur noch die Meinung der anderen.
Straßenschlachten in hochaufgelösten Bildern und eine Trage wird weggetragen und Blut an dem Tuch über dem Bauch. Der Himmel leuchtet und parallel sprechen Menschen über Nachbarschaftskriege (Zäune und Bäume und Kram) und über ungewollte jugendliche Schwangerschaften und über Homosexualität im Fußball und über Rücktritte und Feigheit und Missverständnis und Vergewaltigung von Wehrlosen und über Zufluchtsorte und einem Glauben und einen Glauben an eine Sache und über Leistung und Geld und Verfall von Werten und Ressourcen. Schuldzuweisungen und Bekenntnisse und Ausreden und neue Vorwürfe. Zeitungen füllen sich mit Buchstaben und es sind immer die gleichen und nur die Anordnung variiert noch in schönen seltenen Fällen. Drucken und Senden von Information im Wiederholungsmodus: Eine Weiterleitung von Worten und Geschehnissen. Wir sind alle vernetzt. Wir wollen Erfolg und wir fördern ihn und wenn wir ihn nicht haben, dann verbarrikadieren wir ihn und setzen Verträge auf und schließen Verträge ab und haben also Erfolg am Erfolg der Erfolgreichen. Wir schaffen Helden und Heldinnen und wachsen und werden größer und mächtiger und mit uns der Graben zwischen Mensch und Mensch und Hautfarbe und Hautfarbe und Kapital und Kapital. Hunger gegen Steuersätze. Kleinkriege und Kriege und Namensfindungen und Untersuchungen und Auseinandersetzungen und Behandlungen von Thematiken. Und wir lesen und wir malen und wir reden und versuchen irgendwie, die Diskrepanz zu definieren und zu überwinden und können aber nicht aus unserer Haut. Wir haben nur eine Spezies und nur unsere eine Menschlichkeit. Und menschlich ist so ganz und gar nicht gleich heldenhaft.

14.06.2010

obst.

da ist ein lächeln auf der anderen seite des raumes und ein graziles umhergehen und die ein oder andere äußerung und wie man sich so nahe kommt und sich dabei gar nicht nahe kommt. weil da ist ja nichts und da wird nichts sein und man stößt sich hin und her und trifft sich vielleicht nur mal eben einen moment in der mitte. ein moment der nichts bedeutet und der nicht anhält und der vorübergeht wie eine jahreszeit die schwankend ihre grenzen einreißt: ein vonheuteaufmorgen und ein rücksichtsloses augenzuunddurch. da springen emotionen im kreis und bedeutungsloses hampelt mit bedeutungsschwangerem herum und tanzt und singt so vor sich hin als wäre alles nichts. und alles ist nichts und nur einbildung beziehungsweise projezierte einsamkeit beziehungsweise projezierte vorstellungen von glück oder harmonie oder unsicherheit oder sonst was. wir schieben es auf zu schwache brillengläser oder die sexuelle identität. wir suchen ausreden und fühlen uns ertappt und gehen damit um irgendwie oder tun nur so und stehen dann da wie die ölgötzen mit müden augen und müden ohren und geschlossenen türen. getummel überall und lautstärke und automatismus.
wir sitzen im regen und wir sitzen in der sonne und wir sitzen am wasser und auf gehsteigen. wir lachen und weinen und sind ehrlich und lügner und wissen nicht ein noch aus und nagen aneinander herum zur beruhigung oder zur aufregung. haben ja gefühle und so und sind so verspielt und wären so gerne kreativ auch im umgang miteinander. sieh dir mein neues tshirt an und zieh dir mein altes tshirt an: es hat löcher, aber es riecht nach mir und ich halte dein haar eine sekunde lang und lasse wieder los weil du dich bewegst und du siehst dich im spiegel an mit meinem tshirt und hast sonst nur eine unterhose an und stehst da und lachst und alles riecht außer meinem neuen tshirt an mir. ich stehe auf und werfe faules obst von meinem balkon auf einen schreienden fußballfanatiker und schließe die tür. der kühlschrank riecht nach paprikaschote.

13.06.2010

JUNE

Continuing to record nine songs every month in combination with quotes from a certain movie.


















This is what happened in June.


Film: 
Donnie Darko

Songs:
Aereogramme. the art of belief
Sonic Youth. Malibu gas station
Electrelane. the lighthouse
Radiohead. electioneering
The Dead Weather. the difference between us | I'm mad
Low. everybody's song
Mazzy Star. blue flower
The Shins. the past and pending


Portraitphoto von: DocRock
Die Lampe: nicht

12.06.2010

Parallelitäten.

Sitzen und Sehen und Menschen Beobachten, die Wein in Pappbecher schütten und sich auf den Tisch legen, so halb. Alle auf der Straße und dennoch mit einer gewissen Ruhe angesichts der Ereignislosigkeit. In einer Ecke werden Flaschen gegen Wände geschleudert und Kalksteinklinker zerbrechen am Aspahlt. Wind fegt die Hitze aus den Augen und Haaren und wirbelt Staub auf und anderen Kram, der sich gesammelt hat in den Ritzen der Stadt. Meine Hände zittern am Morgen und meine Beine schwitzen am Rest des Tages und überhaupt: Das ist doch kein Wetter. Wir verlaufen uns mit den Taschen um die Schultern und den Blasen an den Füßen und suchen nach Gelegenheiten. Wir sind jeden Tag die gleichen und egal, wo wir sind, wir freuen uns über Zeichen von Menschen, die uns etwas bedeuten. Spielt keine Rolle, wo man ist und wo man sein sollte und was man tun sollte und wie lange. Solange wir uns (in)einander umher tragen und erinnern.
Auf diversen Plakaten wird auf Rücksicht und Hilfsbereitschaft hingewiesen und das auf eine schamlose und ziemlich kompromisslose Art und Weise. Mit den Augen den liegenden Körper suchen und da liegt ein Kind im Sand auf dem Bauch: wie tot. Und all die Hektik beziehungsweise all der Trubel, der sich ereignet, fliegt ein Helikopter über den Fluss und über die Köpfe und wir wissen gar nicht, was da vorgeht und bleiben aber trotzdem oder deshalb erst mal stehen. Sachen geschehen immer und überall und jeden Tag und viel zu viel. Aber teilhaben daran beziehungsweise mittendrin zu sitzen und es gar nicht merken: Der Wald vor lauter Bäumen. Die Distanz und die Bildgewalt und die Vielfalt am nächsten Tag. Die Einsicht und die Erläuterung der Geschehnisse im Fernsehen oder in der Zeitung. Und während man da steht noch gestern und also mittendrin unter den anderen, die sich etwas unsicher miteinander unterhalten und verlegen Hunde streicheln und Fahrräder aus den Weg rollen, und man so wartet auf ein Lüften der Tatsachen, da entgeht dem echten Auge alles. Keine Blickwinkeloptionen und keine ein und ausblendendbaren Kommentare. Wir wissen nicht, was so passiert.

Im Zug sitzen und Gespräche über sich ergehen lassen. Da wird laut gesprochen und laut gelacht und laut in Telefone gerufen und ein Mann isst Jagdwurst mit einem Messer aus einer Dose. Eine asiatische Frau würgt schmatzend Süßigkeiten runter und mein Sitznachbar zeichnet sich seit Stunden nur noch durch die Anwesenheit seiner Schuhe unter dem Sitz aus. Sitzt irgendwo und konversiert und spielt Karten und der Durchgangsverkehr steigt im Zwischenabteil über die Füße der Beteiligten und über die Karten und die Hände. Ein stetes Ablenken durch Worte und Lachen und manche schlafen. Ich verwechsle viele Geräusche mit Regen: Wie Schritte vor dem Fenster zum Beispiel und das Klappern eines Fahrradschutzbleches, manchmal reicht schon das Rauschen der Blätter in den Baumkronen und ich kann nicht genau sagen, wie ich mich fühle. Suche unabhängig von meinem Aufenthaltsort nach einem Heimatbegriff und will überall gleichzeitig sein. Alte Zeiten mischen sich mit neuen und Wohnorte mischen sich mit Freunden und Bekannten und kleinen Portionen von Unterhaltungen und Besichtigungen und Reibungen. Nicht einmal Parks sehen überall gleich aus, und dennoch: sieht alles gleich aus. Ich brauche neue Brillengläser, um Unterschiede wahrzunehmen und zu erkennen und vielleicht zu deuten in der Bedeutungsschwere unserer Kultur.
Was sagt dein Wohnort über dich und dein Verhalten dort und was sagt dein Reiseziel über dich und die Bilder, du die machst mit deiner Kamera. Welche Straßen durchgehst du und schlenderst du dabei oder rennst du oder sitzt du in Ubahnen oder in Taxis oder in Bussen. Wann stehst du morgens auf und wieviel Tag nutzt du wofür. Ein Ticken an der Wand und ein Zugplan am Bahnhof und Geschehnisse, die alles bewegen und allen Regeln entsagen: Wie Anpfiffe nach so strikten Vorgaben funktionieren und außenrum außerhalb des Rasens das Gegenteil eintritt und wie Traurigkeit und Hoffnung und Liebe und Glück so strikt nebeneinander herlaufen. Es gibt immer alles parallel und Momente machen uns aufmerksam darauf oder lassen uns unaufmerksam einfach wahrnehmen, wie niemals nur ein Gefühl auf einmal regiert. Wir sind mehr als nur eine Emotion und mehr als nur eine Entscheidung und mehr als nur ein Gedanke. Wir sind mehr als unser Heimatort und mehr als unsere Familie und mehr als unsere Freunde und mehr als der Ort, an dem wir uns befinden. Wir sind mehr als wir denken.

01.06.2010

Eigentümlich.

Jeden Tag sitzen wir da und reden und tauschen uns aus und essen und trinken und wollen Sachen und erreichen manche und verändern uns. Streichen Wände neu oder räumen nur auf, basteln neue Lampenschirme aus Salatschüsseln und vollziehen Aufgaben, die uns uns selbst näher bringen und fragen besser gar nicht: warum. Steigen Treppen auf und ab und kritzeln Blätter voll und kaufen Filme für diverse Zwecke und Anlässe und die Gegebenheiten um uns und in uns. Veränderungen, die wir nur mit uns herumtragen und solche, die wir an andere herantragen. Gespräche über Eltern und Beziehungen und Sechs [sic] und bewusste Koexistenz diverser Solipsisten im Austausch zum angebrachten undoder unangebrachten Einsatz narzisstischer Anleihen. Darstellungen, die nicht hängen bleiben und fluktuative Geistesergüsse, an die wir uns morgen schon nicht mehr erinnern. Wir helfen uns aus und streben gegen unser Vergessen durch: Festhalten. Logbücher und Photoalben und ganze Schränke voller loser Bilder und Lieder, zusammengepresst in sogenannten Ordnern, die wir aufstochern können, durch bloße Berührung mit den Fingern inzwischen. Entwürfe überall von etwas und Satzfetzen, deren Sinn sich in Buchstabenkollisionen verlieren oder in Tintenklecksen. Zufall bremst und beschleunigt Handlungen und Gedankengänge. Zerträumt Hände haltend traben wir kollektiv auf unsere Wünsche zu und stampfen mit den Füßen auf und schreien laut und meinen, Anspruch zu haben, bis der Boden knirscht. Die Avantgarde trifft sich zum Fußball und Grand Prix Kaffeekränzchen und debattiert wild über Vorgehensweisen und Blockaden und Statistiken und Heimvorteil. Oder nicht. Geistiges Eigentum wird ausgelebt und wird dargeboten und wird entwendet und man steht da, schlimmer als nackt, ist doch unser Kopf das einzige, was wir wirklich verschließen zu können glaubten. Ausleben und Vorzeigen und nach Anerkennung streben oder sonst was und dann zurückbleiben mit diesem Gefühl.

























Oder: einfach nicht nachdenken und handeln und tun, wonach uns ist und nicht warten auf Bestätigung oder Meinungen oder Zusagen oder Achtung. Keinen Respekt brauchen, nur vor sich selbst (ein wenig). Vergangenes annehmen und Kommendes auch. Einlassen auf Tage und Menschen und Geschichten und Festhalten nicht der anderen wegen. Festhalten nur der Hände wegen.

Photos von: Frau Krawalla

Learning to love you more. (67)


























Fixing a flushing tank first thing in the morning. It actually took two tired guys to realise what was going on.

Assignment #67
Repair something.


Photo von: DocRock