10.05.2010

Wind und Wetter.

Mein Schädel brummt und ich muss eigentlich Photos machen von mir und meinem T-Shirt und bin aber nicht gewillt, die gegebenen Mittel zu nutzen und sitze stattdessen hier rum und lasse mir Koketterie vorwerfen, die ich nicht leugnen kann. Warte eigentlich nur auf Post, um die Augen zu schließen und die Geräuschkulisse in die Ecke zu schleudern. Gestern: die Alarmanlage eines Autos unten auf dem Parkplatz. Samstag ein (oder mehr) Bongospieler am Eck sitzend. Ansonsten Stimmen und Gespräche und Halsschmerzen. Eine laute Waschmaschine und überforderte Kellner und das Geräusch von brechendem Holz unter Füßen. Manchmal klingelt das Telefon und spielt ein Lied, dessen Interpret und Titel mir noch immer ein Rätsel sind. Menschen, die man kannte und nun nicht mehr (wirklich) kennt und manche lernt man kennen und weiß im nächsten Moment schon nicht mehr, ob man sie auf der Straße wiederkennen würde. Ich habe auch schon Bekannte getroffen, die nicht wussten, wer ich bin. Und wurde letzte Woche beim Aussteigen aus der Trambahn angelächelt und gegrüßt und kannte das Gesicht nicht und nahm den Kopfhörer nicht ab und ging weiter in meiner Ignoranz oder etwas wie Schamgefühl.
Ich sehe auf meine Schuhe herab und denke an Momente und fühle mich zurückgeblieben, weil ich glaube, was Menschen mir sagen, wenn sie es sagen. Oder das vielleicht nur krampfartig will, wenn Taten den Worten widersprechen und plötzlich sind mir die wenigen Menschen um mich so heilig, die nicht anders handeln als reden. Ein Verlustgefühl fährt mir durch die Lungen, weil ich Geburtstage vergesse und mich entferne. Aber nicht ob dessen, das verloren geht undoder gehen könnte, bin ich es doch, der verloren geht oder sich um die Ecke stiehlt und sich den Kindesängsten stellt: Versteckspielen und nicht gesucht werden. Wie lange schleppen wir so etwas wie Würde mit uns umher.
Wie lange können wir nicht ans Telefon gehen und uns Situationen nicht stellen. Wie lange können wir uns überhaupt Situationen stellen und deren Veränderungen und den Bewegungen und der Fluktuation in Gedanken und Worten und Taten und Freundschaften und Liebe und Kram. Ich stehe verloren neben jemandem anderen und sehe nach vorne und stecke meine Hand immer wieder in die Kisten mit den Folien und dem Geruch, der aber doch nie haften bleibt an mir. Mag auch das Tappgeräusch beim durch die Kanten streifen mit den Fingern: wie damals mit der Spielkarte in den Speichern des Fahrrades. Ich schürfe mir gerne ein klein wenig die Finger auf an rauhen Oberflächen und streiche über Holz und freue mich, ein bisschen Staub am Oberschenkel zu haben und vielleich ein wenig Blut an den Händen. Abends dann ist es schön, den Donner zu hören und dicke Tropfen, die auf meinem Balkon aufplatschen, und da liegt ja auch noch immer dieses goldene Band, von dem ich nicht weiß, wo es her kommt und wie es hierhin kommt, wie dickes und breites und sehr langes Lametta, einfach da plötzlich. Und dabei will ich Weihnachten so nicht mehr feiern.
Ich bin nur hier wegen der Post und der Sucht und einer Bodenlosigkeit. Festgefahren in Meinungen und Körpern und Äußerungen beziehungsweise Überzeugungen und dabei doch so schwankend. Als Ganzes. Ich vergesse Augenfarben im selben Moment, in dem ich sie sehe. Und rede mir dabei ein, wie sehr mich Augen faszinieren.

























Skies above are closed to me
Forgetting names when shaking hands
Friends and lovers I've left behind
I'm as apathetic as the wind

Ceremony

Kommentare:

  1. Und da hatten wir irgendwie beide Verletzungen an den Händen, ein wenig Blut...

    Ständig dieses Nachdenken und Vergessen.

    Dass nicht vergessen wollen.

    Die Kindheitserinnerungen, der Wunsch nach Geborgenheit und nichts ist greifbar - nur das
    goldene Band.

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  2. das nichtvergessenwollen von bestimmtheiten aber nur.
    meinst du, wir vergessen irgendwann, was wir vergessen wollen und halten irgendwann fest, was wir festhalten wollen?
    entscheiden wir uns irgendwann (selbst)?

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