12.04.2010

Fetzen.

Erinnerungs und Gesprächsfetzen und eigentlich müsste ich dies tun und jenes und sitze aber nur unruhig auf der Holzbank und starre auf Rillen im Boden vor mir und um mich. Ein Fenster im Rücken und die Sonne in den Augen und Haaren und alles warm auf einmal. Am Wasser gebaute kleine Stege aus Stein und Steine allgemein und die Beine angezogen auf Seiten gucken, die reflektieren. Freundliche Menschen und unfreundliche Menschen und kalter Kaffee und ein Hund, der röchelt und Stöckchen holt, egal, wohin er geworfen wurde. Treu am Weg entlanggehend und ein Mann fällt sogar im Liegen um.
Es ist wie ein Sehtest: Auf einem Auge blind und dann scharf und schärfer und ganz unscharf und schon steht fest: neue Brille oder sonstwas und die Zeilen verschwimmen wie die Zeiten und Tage und Stunden und Minuten bis das Telephon vibriert und der Arm weh tut im Gelenk. Wir reden über Altes und Neues und ganz Neues. Reden über uns und andere und über Hypothesen und machen einen Schritt nach dem anderen, ob nun in der Sonne am Wasser oder im Wind an der Straße. Stehen in Reihen und Gliedern und berühren uns nicht und kommunizieren nur periphär. Ein Mann und eine Frau im Supermarkt: Sie mit Ohrstöpseln, er redet mit ihr. Mir wird gesagt, meine Kopfhörer seien unkommunikativ, weil nur ein Kopf dazwischen passt und ich denke nur: Ist das nicht der Sinn der Sache. Bekomme einen Kloß im Hals beim Gedanken an halbherzige Gesprächsfetzen mit minimaler Aufmerksamkeit und bekomme einen Kloß im Hals beim Gedanken an zu wichtige Gesprächsfetzen in Cafés und Restaurants. Weil so viel passiert. Abschiednehmen und Hallosagen und Schritte auf Asphalt.
Schwindel im Kopf und auf dem Tisch ohne Untersetzer. Wir reihen uns ein und rufen uns zu und verstehen nur die Fetzen. Nicht nur im Vorübergehen von kleinen Familien und großen Familien und Zweisamkeiten und Fußballfreunden und Kindergartengruppen. Werden selbst zu Fetzen und vervollkommnen die Zwischensilben nach eigenem Ermessen und denken (nach). Wir halten Hände beim Überdiestraßegehen und gehen in Paaren und geben Acht aufeinander. Denn: die Straßenbahnen klingeln zwar, aber halten werden sie nicht.

Kommentare:

  1. Du schreibst sehr, sehr schön, wunderbar und vorallem ehrlich.
    Ich mag deine Texte.

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  2. herzlichen dank.
    es wärmt das herz, das zu lesen.

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