05.03.2010

Zerträumt.

Es ist wie Aufwachen und sich nicht an das Zimmer erinnern können. Orientierungslos im Dunkel tappend und mit den Fingern sowieso immer an der Wand. Schmatzgeräusche der nackten Füße auf dem Boden, Material vergessen, Bett neu gestellt, ein Schweißrand am Teashirtkragen. Durst und Hunger und Lachen vor dem Fenster. Die Uhr zeigt späte Stunden. Vollmond und belebte Straßen und Luft drückt den Vorhang hin und her. Die Türe nur angelehnt, ein Hin und Her.
Ein Buch neben dem Bett mit Sätzen darin, ein schwarzer Stift, die Kappe nicht richtig aufgesetzt. Er trocknet aus und die Seiten füllen sich nicht. Notizen ohne zu sehen, was eigentlich. Am nächsten Tag mit Mühe entziffern, wenn überhaupt. Keine Lust mehr und ein stetiges Sichtrennen von Menschen und Situationen und Wünschen und Idealen. Es ist eine Aufgabe von Dingen, die man nicht will oder nicht wollen soll oder nicht haben kann. Wenn man lange genug liegt und auf ein Bücherregal starrt, verschwimmt alles und man sinkt ein bisschen. Toter Mann in der Badewanne, man liegt nur auf und macht gar nichts mehr und wartet unter Umständen auf andere Umstände. Unter anderen Umständen lacht man vielleicht oder spricht schnell und rennt Gedanken und Eingebungen hinterher oder kritzelt in ein Buch oder zerschneidet es oder oder oder.
Vorhaben richten wir an uns stattdessen: So sein und so tun und handeln und reden. Nachdenken und planen und nicht zu spät kommen. Und zahlen. Menschen bauen Statuen und malen Bilder, um zu ehren undoder sich zu erinnern. Machen Photos und schreiben Bücher mit Protagonisten und Leben und hauchen ein und ein und ein. Weil ja nichts passiert sonst. Hier. Draußen vor dem Fenster vielleicht. Kleine Schneefetzen und doch eigentlich Frühling. Nichts sonst passiert ja. Kein Krieg und keine Liebe und keine Politik und keine Freuden.
Wir basteln und bauen und produzieren und kreieren bis uns die Schläfen schmerzen. Arzttermin, Tabletten und Tropfen und Ruhe und ein heißes Bad. Nicht so viel anstrengen und es leichter nehmen. Öfter hinlegen und gut sein lassen. All das Gute da draußen einfach lassen. Wie die Bäume ihre Schatten werfen und die Typen in der Trambahn liegen und die Mädchen ihre Gesichter anmalen und ihre Brüste einem entgegenstrecken und die Füße umknicken. Ausrutschen und liegen lassen. Völlig entfremdet und in sich gekehrt = weniger Sorgen.
Aber zahlen nicht vergessen.
Auch die Zerstreuung ist nicht umsonst.

Kommentare:

  1. "Es ist eine Aufgabe von Dingen, die man nicht will oder nicht wollen soll oder nicht haben kann."

    Und es scheint nur Sinn zu machen, diese Liste mit den Dingen abzuarbeiten. Lebensaufgabe.

    Was wenn ich mich nicht aufgeben will?

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  2. zählst du dich denn zu diesen dingen? willst du dich nicht oder sollst du dich nicht wollen oder kannst du dich nicht haben?

    sich selbst aufgeben sollte man doch nie, denke ich. es ist schließlich alles, was man wirklich hat. hat man es erstmal bemerkt.

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  3. Oh jetzt erst sehe ich, dass du ja geantwortet hast!

    Nein, als Ding sehe ich mich nicht. Aber oft scheint es mir sehr schwer zu entscheiden, wann ich etwas aufgeben soll.

    Und diese Liste begleitet als Lebensaufgabe, nicht im Sinne von aufgeben sondern erledigen...

    Ich hatte eine kleine Verwirrung mit dem Wort AUFGABE, wie ich gerade feststellte und habe nun erst beim zweiten Lesen den tatsächlichen Sinn verstanden!

    Und ja das ist so wahr! Man hat sich nur selbst wirklich.

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