22.03.2010

Neue Schuhe.

Im Übrigen: Wenn genügend Milliarden zur Verfügung stehen, ein marodes Finanzsystem zu retten, sollten in gleicher Größenordnung Mittel verfügbar sein, um eine Milliarde Menschen vor Hunger, Armut, Krankheit und Klimawandel zu schützen.
Schreibt Lutz Herden im Freitag vom 18.März 2010.

Menschen retten und Fernsehen und Stehenbleiben, wenn Menschen aus der Tram aussteigen wollen. Oder gleich mitten auf der Straße. Helfen fängt ja im Kleinen an. Ein kaputter Aufzug und eine keuchende Oma im Treppenhaus im ersten Stock. Wieder zu langsam aufgestanden bei der Frau mit dem Kinderwagen. Es bedarf auch ein Augenmerk, das hinausgeht über den flüchtigen Blick auf Schönheiten und die Frühlingssonne. Wir bemängeln den Nachrichtengehalt und die Unwahrheiten und jeden plötzlichen Temperaturwechsel. Platzregen und Wolkengetümmel und Regenschirme verformen sich in Straßenwinden. Auf der Suche nach Bestätigung oder Wahrnehmung oder einer ruhigen Atmosphäre, die dennoch keine Abgeschiedenheit ist, sitzen wir in Cafés und trinken aus Bechern ohne Henkel und Frühstücken und tragen neue Schuhe. Wir mögen das Geräusch, wenn eine Zeitung umgeschlagen wird und Milchschaum.

Geraucht wird vor der Türe oder in den eigenen vier Wänden und das Internet kandidiert für den Friedensnobelpreis.

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