04.08.2009

04 August 2009

du.
ein kleiner brief, gepresst in einen bildschirm, auf dem ich die schrift noch manuell habe verkleinern müssen. mein mitbewohner sagte neulich: gehts vielleicht noch kleiner. ich fürchte nicht. so viele buchstaben passen auf einen bildschirm und es sind doch niemals genug. das ist so mit dieser technik. wir können ja gar nicht mehr sehen oder einschätzen, wieviele es eigentlich sind. fürchte ich wieder. ich fürchte mich. oder das leben fürchtet sich vor mir. vielleicht ist es so rum oder vielleicht kann es nur beides gleichzeitig geben. weil alles ein spiegel ist vielleicht. weil wir die gefühle bekommen, die wir geben. nein. das wäre ja nun doch zu einfach.
und einfach ist es nicht. also gar nichts. ich hatte so ein wochenende. ich hatte: ein langes wochenende. freitag frei, gestern frei. und heute arbeit auf dem tisch und in dem kasten, der unser leben steuert. wieder digitale schrift. digitaler verkehr. nicht sehr obszön, nicht sehr leidenschaftlich, nur trostloses hin und her mit kollegen, die etwas wollen oder von denen man etwas will. manchmal denke ich: wir stumpfen ab und merke es dann im wahren leben. fühle mich stumpf und hohl und wie die hühle, die ich bin. ich setze mich selbst auf eine stuhllehne und achte darauf, gerade zu sitzen (wie es mir beigebracht wurde) und da ist mein hohlkreuz und da sind meine rückenschmerzen und das in meinem alter.
das wasserglas blubbert leicht vor sich hin und ich höre kein geräusch. keines. doch, aber nicht das, was ich hören möchte. da ist kein wind und da waren die ganze nacht keine regentropfen auf dem dach vor meinem fenster. da sind nur stimmen und schreie und schritte mit hohen schuhen auf hallendem boden zwischen nur noch mehr füßen und beinen, die kreise laufen, oder zumindest nicht gerade aus. tendenziell hätte ich lust, mich auf eine bank zu setzen, die beine übereinander zu schlafen, korrektur: zu schlagen und ein buch zu lesen. wie kürzlich. am rand eines fahrradweges. und ich merkte wieder: wie sehr liebe ich das geräusch von fahrradreifen auf einem kiesweg. da kann ich mich kaum auf die zeilen konzentrieren und erst recht nicht daran denken, mir zeilen rauszuschreiben in meinen kleinen kalender oder gar mir zeilen zu merken in meinem kopf. würde ich eine armbanduhr tragen, ich würde vermutlich unentwegt drauf sehen, nur um festzustellen, dass die zeit nicht vergeht. oder um festzustellen, dass sie durchaus vergeht. aber das macht ja auch keinen unterschied. aber uhren sind schmuck irgendwie und ich verabscheue ja schmuck. der hängt rum und ist nur im weg. und habe noch nie verstehen können, was menschen daran finden. aber nur wie so oft.

ich stehe an meinem fenster und es ist dunkel und ich lausche den stimmen da draußen und versuche zu hören. kann es aber nicht verstehen, weil da so viel anderes ist. autos und die musik, die sie mit sich rumfahren und flaschen, die klirren und sirenen und geschrei. mehr als einmal stand ich da und stellte mir vor: was kann ich runter werfen. aber ich habe oft zu viel anstand. woher das kommt, wieder eine sache des unverständnisses.
ich wache auf und gehe an die tür, an die sprechanlage und sage hallo und wieder: hallo. und höre nichts. ein auto (mal wieder). und dabei war ich sicher, die klingel gehört zu haben. ich gehe wieder zu bett und decke mich zu und denke mir zu: heiß. starre in mein bücherregal und will mich ablenken. oder vielleicht wirklich nur starren. meine haare stehen kreuz und quer und das seit neuestem nicht nur nach dem aufstehen. meine brille ist schmutzig, vermute ich. oder: ich sehe mal wieder ungenau. heute morgen lag ein luftballon (pink) in einer hecke (grün). genau mittig. einfach so und da war sonst niemand und ich dachte mir: schieß das (also: bild) und dann: nein. lass es. geh weiter. und dann ging ich weiter und wundere mich jetzt, dass ich es nicht schon wieder vergessen habe. bei all dem, was man sieht so am tag. die gesichter und die kippen auf dem boden und die haare und die ellenbogen, die sich breit machen in einem zug. ich finde plötzlich wörter komisch wie: anrecht. vergönnen. leidenschaft. gesellschaft.


und du sagst: warten. und: geduld. und staub aufwirbeln. wirbelt man denn wirklich dreck auf, wenn man beginnt? also: zwangsläufig. man kann doch bestimmt auch schleichen und ganz langsam einen fuß vor den anderen setzen. oder das gleiche analog mit den fingern. vielleicht gibt es dann keinen dreck und und keinen staub, der einem die sicht nimmt und blind (kalt) stellt, während man auf sicht warten muss. es ist wie mit der brille: verschwommen. sind es die augen oder ist es das glas? vielleicht sehe ich nicht recht und die brille kann gar nichts dafür. ich meine: vielleicht ist da staub und ein erster schritt hat damit gar nichts zu tun. vielleicht rast eine postkutsche durch die stadt.
ich denke gerade: wessen stärke ist das warten schon. wollen wir nicht alle irgendwas und wenn wir es wollen: dann nicht sofort? wir haben wünsche und träume und ziele und rennen darauf zu mit offenen armen. manchmal sind es menschen. oder anderes zeug.
warten hat ja zwei seiten: ich kann warten in einer schlange im supermarkt oder im amt oder ich kann warten auf meinen zug oder den kellner oder die kellnerin oder mein essen. (je länger man wartet, desto besser der fraß oder so.) aber warten in seiner wohnung (auf nichts ja eigentlich) oder auf einen anruf, einen brief, die post. da steht man schonmal auf in der einbildung, ein klingeln an der tür gehört zu haben. wir wollen nicht warten. das ist es, denke ich. wir können. aber nein: wir haben keine lust. im amt sehen wir es ein: da müssen wir ja. in der schlange stehend. aber da hängt es nicht von uns ab. wir können um punkt acht (oder früher noch) vor der türe stehen und lernen einen satz für das ganze restliche leben: wir werden nie die ersten sein und nie die einzigen und nie die letzten.
aber wenn wir es sind, die handeln könnten (also ja unabhängig von öffnungszeiten und stoßzeiten und anderen zeiten), dann wollen wir nicht. und vertreiben uns die zeit so lange es geht. rauchen, trinken, fernsehen, schlafen, mit freunden sprechen. aber eigentlich: wollen wir los. sofort. scheiß auf den staub.


existenziell jetzt: hören auf den inneren drang oder nicht?

ich las kürzlich über solipsismus. und weiß nicht, warum mir das gerade jetzt einfällt. vielleicht mag ich das wort und finde es eigenartig, dass ich es klarer sehe als begriffe wie fernsehen.



so in etwa geht es mir.

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