04.03.2009

Distanz.

Wie sich keiner berührt. So gar nicht. Da stehen und sitzen Menschen an einem Ort und starren nur vor sich hin und sagen nichts. Das heißt: Doch. In der zweiten Reihe flüstert jemand. Es geht um nichts. Wie in den anderen Gesprächen auch. Da wird untergraben und nicht wahrgenommen und ich fühle mich so fehl am Platz. So daneben und verkommen.
So wenige Menschen sind da sowieso. Haben sich getroffen um zu trauern und sich zusammenzuraufen, um Auf Wiedersehen zu sagen. Aber zu wem. Zu wem eigentlich. Da wird eine Urne niedergelassen und nichts gesprochen. Sogar die leisen Stimmen verstummen. Alle starren. Und scheinen nicht zu wissen, wie damit umzugehen. Die Beerdigung eines Menschen, der kaum mehr Anhänger hat. Da ist ja niemand. Fast niemand.
Die Knie sind weich und ich überlege noch: Warum. Den Abschied habe ich ja schon gemacht. Vielleicht ist es der schwammige Boden oder es ist die kleine Schaufel, die da in der Erde steckt. Aber das ist alles Trug. Es ist: die Fremde. Nicht der Tod ist zu überwinden. Vielmehr: Die familiäre Distanz. Und ich bin verwundert, warum niemand reagiert. Bis ich es selbst tue.

Kommentare:

  1. "Der Rest ist die Idee von Dir."
    Wenn wir Reaktion erhoffen, fehlt uns dann nur der Impuls, selbst zu agieren? Oder trotzen wir der Nicht-Reaktion der anderen doch mehr ab als es jede vernehmbare Reaktion könnte? Fragen nur.

    AntwortenLöschen
  2. Hm. Oft ist es wohl so: Der fehlende eigene Impuls lässt uns hoffen oder rätseln oder gar urteilen.
    Ich meinte es hier aber anders. Weniger geht es um die fehlende Reaktionen der anderen als vielmehr um das Verhalten, dass sie grundsätzlich zeigten. Das ist (war) merkwürdig. Ich spürte das Verlangen, selbst zu handeln. Wartete im Grunde nur den Moment ab. Erstaunt war ich nur, dass niemand sonst das Verlangen verspürte. Oder ich nur schneller war.
    Ich bin nicht sicher.

    AntwortenLöschen