14.02.2009

Zäune brechen.

Ja, was eigentlich. Du liegst da rum und denkst nach, weil du nichts besseres zu tun hast und merkst, dass die Zeit passt. Dass es gut ist, mal nach innen zu gucken. Außen so viel gesehen und beobachtet, dass der Kopf weh tut. Willst dir immer alles merken und dann deuten und zurechtrücken und dann darüber nachdenken und am Ende mit den Nerven am Ende sein: Die Fahrt in der U-Bahn wird zur Tortur, die Menschen weichen auf den Straßen nicht aus und ein Geschäft schließt nach dem anderen. Besser mal nach innen sehen.
Und was gibt es da: Leere. Da liegst du eben nun und guckst in die Leere und wunderst dich ein bisschen. Damit hast du nicht ganz so gerechnet. Du hast auch nicht damit gerechnet, einfache Fragen nicht mehr beantworten zu können. Wie beschreibst du dich selbst. Nenne deine charakterlichen Eigenschaften. Was sind deine Bedürfnisse. Was willst du und was hast du und was brauchst du unbedingt. Was erwartest du von deinen Mitmenschen. Von deinen Freunden und deiner Familie. Du wirst blass. Weil: Du musst dir eingestehen, dass du schon die erste Frage nicht beantworten kannst. Genug Spielereien wie früher. Genug davon, einen Charakter nicht beschreiben zu wollen, um wandelbar zu bleiben und um sich nicht festzulegen und sich einer Angst nicht zu stellen: Der Angst einer Konstante. Eine Charakterzug, einmal zugesprochen, geht nicht schnell wieder.
Und ach, wie einfach es wäre, man könnte vor sich selbst weglaufen. Sich selbst verlassen. Du merkst, du willst diese Beziehung nicht eingehen, weil dich Beziehungen bedrücken. Dann gehst du eben einfach. Aber da ist doch was: Führst du nicht eine Beziehung mit dir selbst. Und sind da nicht Einschränkungen und Kompromisse und Probleme und ist da nicht auch Streit und Unwohlsein und der Wunsch nach Ruhe und auch der Wunsch nach mehr. Natürlich: Du lebst in einer Beziehung. Jeder tut es. Aber nicht jeder stellt sich. Nicht jeder baut sich den Zaun, den er nun einmal hat. Er kann weit sein und man kann sich frei darin bewegen, aber es ist ein Zaun, der dich einschränkt und dein Leben zu deinem Leben macht. Aber so ein Zaun ist eben ein Gefängnis. Und macht Angst. Vielleicht steht er unter Strom, vielleicht kannst du ihn nie überwinden.

Und dann machst du die Augen auf und erkennst: Du kannst alles überwinden, was du in deinem Kopf aufgebaut hast. Du musst es aber vorher kennen und sehen und nennen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen