24.01.2009

20 October 2008

Auf dem Tisch: Die Zeitung. Die deutsche. Aus dem Wort herausgeschnitten und ich kann nicht erkennen, ob ein Schmetterling drauf sitzt oder drauf gedruckt ist. Vierfarbendruck. Alles ist moeglich. Geruchsanzeigen. Wie riechen Schmetterlinge. Vielleicht sind sie wie Tofu. Der schmeckt genau wie das, in dem man in tunkt. Also riechen Schmetterlinge wie ihre Umgebung. Vielleicht wie eine Tanne (Weihnachten), Blaetter (Herbst), Teer (Sommer). Vielleicht wie Vanille oder Zimt oder Kaffee, den ich mit meinen Haenden umarme und mich zwischen all den Menschen auf der Strasse hindruch kaempfe, um irgendwo ein Ziel zu erreichen, dass ich mir von Schritt zu Schritt neu setze. So kommt man vorwaerts. Ich huepfe die Oxford Street rauf und runter, schlage Raeder und springe von links nach rechts. So erwischt mich keiner und ich keinen, mit meinen Gliedmassen, die ich wild durch die Luft schlaendern lasse. Massen. Nein. Massen. Mit scharfem S. Nicht moeglich.
Wie immer. Es ist nichts Neues. In schwarz eingehuellt habe ich genau drei Streifen an mir: Weiss (Schuhsohle), braun (Guertel) und grau (T-Shirt Rand) und streife durch die Strasse. Auf dem Weg zum Supermarkt sehe ich mich in einer Tuere gespiegelt, vergrabe das Gesicht bis zur Nase in meinem Sweater. Schwitzer. Der Wind umkreist mich, schiebt Blaetter von einer zur anderen Seite. Schiebt Menschen von einer zur anderen Seite und Autos. Und ich muss daran denken, herauszufinden: Bedeutet das, auch die Kupplung ist auf der anderen Seite. Und das Gas. Alles verdreht. Wie der Wind, der eine Tuere... Korrektur: Tuete kreisen laesst. Ich wollte sie aufnehmen, mit einer billigen kleinen Kamera in meinem Telephon. Wie skurill. Ich war zu langsam, ohnehin.
Ich druecke meinen Ruecken an die Wand neben meinem Bett und ziehe die Beine an, bis ich meine Knie umarmen kann. Hinter mir die zusammengedrueckte Bettdecke, die meinen Hintern umwickelt. Links von mir das kleine klappernde Fenster. Der Wind versucht, herein zu kommen, will meine Jacke wehen lassen. Kann aber nicht. Das Glas haelt ihn zwar draussen, laesst aber seine Kollegin rein: Die Kaelte. Die klopft nicht einmal an. Steht da und macht sich breit, als sei das Zimmer ihres. Aufdringlich. Als wuerde sie rauchen, direkt unter einem Rauchverbotsschild stehend. Ich ziehe mir mehr an und eine Muetze ueber die kurzen Haare. Dann greife ich nach dem Buch. Heute: deutsch. Ein Heimatsgefuehl.

ich wuerde gerne alles sein lassen fuer einen moment alle satzzeichen und grammatikregeln gross und kleinschreibung und einfach nicht darauf achten was andere tun oder sagen oder denken oder fuer richtig erachten neu schaffen und neue sachen machen zum beispiel abkuerzen und den satz an einer stelle anfangen an der er eigentlich aufhoeren muesste oder ihn nie aufhoeren lassen oder nie beginnen ich bin nicht der erste der das tut und darum geht es nicht das hat mein vater nie verstanden dass es darum nicht geht dass man auch wege gehen kann die schon einmal gelaufen wurden dass man tun und lassen kann was man moechte weil wir alle egoisten sind und es nur darum geht etwas zu fuehlen zu sein und zu tun manch einer schneidet an sich herum um etwas zu fuehlen weil man sein kann was man will man bleibt immer mensch und wird immer schmerz spueren und niemals darueber stehen koennen so sehr man es will aber schmerz nein schmerz ist nicht alles
Schmerz. Herz. Komm, wir schreiben Worte neu: Hertz. Schmaertz. Hartz. Vier.

Aber du musst doch sagen, was du denkst. Du musst dich doch ausdruecken und mitteilen und unter Menschen gehen und hoeflich sein und Konversation fuehren. Konversieren. Muss ich das. Bin ich ein Depp. Der nur denkt, wenn er spricht. Bin ich ein Pickel, mit weissem (weisen) Eiter, der aus dem Gesicht haengt. Bin ich eine Nachricht. Bin ich Exhibitionist und muss unter Menschen und brauche Aufmerksamkeit. Bin ich konvers. Bin ich Thema. Bin ich Gespraech.
Bin ich irgend etwas. Ausser ich.
Da stehen sie wieder und bilden Meinungen mit kleinen Steinen. Lego. Lego Technik. Eher Playmobil. Weniger anspruchsvoll. Mehr anspruchslos. Bauen kleine Haeuser und Tuerme und ernennen Menschen als Koenig und als Knecht und als Fahrer und als Gast. Und fahren und reiten und reden im Ton derer, die sie spielen. Kleine Welten: Unsere Welt. Ich hoerte von einem Kind mit offenen Haenden, bei ihrer Mutter. Sagt: Schau, was ich habe. Mutter: Was ist es. Kind: Ein kleiner Tiger. Die Hand: leer. Die Mutter: Der ist aber schoen. Wo ist der grosse. Kind: Da hinten. Mutter: Ah, jetzt sehe ich ihn. Unter dem Tisch.
Gebt den Kindern ihre Phantasie. Nehmt ihnen die Burgen und Festungen und Haeuser und Autos aus Plastik, die sie irgendwann aus Wut auf den Vater undoder die Mutter gegen Waende werfen. Oder gegeneinander. Nehmt ihnen Vorbilder und Nachbilder. Gebt ihnen eine Kiste und sie koennen sich beschaeftigen. Stunden und Tage. Und denken sich aus, wo sie sind, was sie sind und wie was aussieht. Wie man Woerter schreibt und wie man sie ausspricht.
Kind: Ist mir doch schnuppe, ob es das gibt. Ich schabernacke durch die Kacke und mensche mir Menschen im Kopf zurecht. Ich denke Leben bevor ich alt genug bin es zu leben. Vater: Das ist aber kein Verb, Kind. Kind: Was. Vater: Fast alles. Alles falsch. Kind: (weint).

Ich kann zaubern. Ich habe was hinterm Ohr versteckt. Da schau: Eine Welt. Ich ziehe sie hervor und lege sie auf den Tisch. Neben die Zeitung. Und da steige ich rein. Warte ein paar Tage. Vielleicht spiele ich ein Spiel. Vermisst Mich Irgendeiner Irgendwann. Ein paar Tage noch. Dann geht mir entweder die Luft aus. Oder ich komme wo an.

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