26.07.2017

Bruchstaben.

Beim Weg zur Arbeit oder von der Arbeit oder zu Freunden oder von Freunden und generell turne ich auf den Gehwegen um Spuckepfützen herum und muss mich fragen: Wann eigentlich wurde es (wieder) normal, in der Straße zu spucken. Und was eigentlich machen die Menschen zuhause, wenn da keine Straße ist und kein Gehweg, sondern ihr Teppich oder Parkett oder ihre Dielen. Sie müssen sich durch ihre mit Spucknäpfen ausgekleideten Wohnungen bewegen und immer Halt machen da, wo sie platziert sind und gezielt spucken dann. Oder, kaum denkbar, am Ende sind sie alle zuhause sogar in der Lage, es für sich zu behalten, das, was sie auf der Straße so dringend undoder demonstrativ loswerden müssen. Vielleicht spucken sie gar nicht auf ihren Teppich oder ihr Parkett oder ihre Dielen oder in Spucknäpfe und sind zuhause vielleicht also einfach zivilisiert. Vielleicht täusche ich mich und sie sind auch nur eine Generation davon entfernt, in den Straßen und Gehwegen auch zu pinkeln und vielleicht setzen die Städte auch bald Spucknäpfe aus an allen Ecken und anschließend Pissoirs, damit zumindest die männliche Gesellschaft sich an den Häuserreihen tummeln und (weiter)entleeren kann.
Entleeren und loswerden wollen wir und es ist wahrscheinlich zweitrangig, was am Ende hinausläuft aus uns, ob es Worte sind, Gedanken, Gefühle oder Urin. Hauptsache abladen, was wir nicht brauchen undoder verdauen können. Abfallprodukte und ach, wie gut es uns danach geht, nach erledigtem Geschäft. Motzen wir also Verkäufer(innen) an und Reinigungspersonal und Transportpersonal und das Personal überhaupt. Kotzen wir Freunde an und Familie und speien wir in der Ubahn unsere Gedanken heraus, ungefiltert, Hauptsache laut und hörbar und also abgebend. Fühlen wir uns eingeengt und eingeschränkt, lassen wir es doch einfach mal raus und spucken vor uns hin. Wen interessiert des anderen Fuß, Schritt oder Meinung. So schnell sind wir weiterspaziert, fortgerannt oder mit anderem beschäftigt. Wenn interessieren Reaktionen, Antworten, wen interessiert schon Kritik. Wir stehen auf undoder tänzeln davon und lassen unseren Ausguss liegen. Wie frei wir uns fühlen (müssen) danach und wenn es nur für einen Abend ist, an dem wir unbedarft in die Kneipe gehen können.

06.07.2016

Schnurlos.

Hier entlang bitte: Schnurlos.
Danke.

17.06.2016

Schirme.

Heute sind sie wieder alle in Höchstform und stoßen aneinander mit ihren Regenschirmen und ihren Bildschirmen und eine kleine Großstadt in Süddeutschland, die schon immer anders sein wollte, bringt endlich Leuchten an am Boden, weil die Leuchten geradeaus nicht mehr reichen, um Aufmerksamkeit undoder Nachdenken anzukurbeln. Dann eben Bodenlampen zur Förderung der allgemeinen Rücksichtslosigkeit und heute ist ohnehin alles wertlos und geht mit dem Dauerregen den Bach runter, weil die Nationalmannschaft und damit der verlängerte Arm des so ersehnten Zugehörigkeitsgefühls wieder nichts zustande gebracht hat auf dem Rasen. Rasend macht uns das in unserer Hoffnung nach Ablenkung von alldem Scheusal, dem sich keiner widmen mag. Wer will schon hören von Krieg und Flucht und Mord und Totschlag und Misshandlung und korrupter oder nur im Zeichen einer vermeintlichen Religion verfehlend handelnder Justiz. Alle schuldig und keiner verantwortlich beziehungsweise keiner Verantwortung bewusst. Rempeln wir uns ruhig an gegenseitig und reißen uns auseinander statt zusammen mit verzerrtem Mundwinkel und Ekel im Blick. Wir haben ja sonst nichts zu geben und beide Hände sind voll: mit Schirmen beladen. Den Schaum vorm Mund spült derweil der Regen davon und wenn nicht der, dann das nächste erfrischende Kaltgetränk.